O-Töne aus dem Knast von Andreas

Wir dokumentieren hier einen Brief von Andreas Krebs aus dem Gefängnis in Neapel. Er lässt alle lieb grüssen und dankt für die Post, die finanzielle Unterstützung und die momentan von ihm als stark erlebte Solidarität. Es geht ihm sehr schlecht und er muss täglich Morhin nehmen.

Nach wie vor braucht Andreas auch viel Kohle für Medikamente und Nahrungsmittel. Er kann nur mehr Babynahrung zu sich nehmen, die eigens vom Gefängnis für ihn gekauft wird. Dann verkauft der Knast ihm zum dreifachen Preis die dringend benötigten Lebensmittel. Hätte Andreas keine finanziellen Mittel dafür, würde ihn die italienische Justiz schlicht verhungern lassen. Auch eine Form der Todesstrafe gegen eine nach wie vor nicht rechtskräftig verurteilte Person, die schwer krank ist. Wir haben es so satt diese zum Himmel stinkenden Zustände in den italienischen Knästen anzuprangern. Es ist eine Schande, wie Andreas jeden Tag misshandelt wird, und wir sind fucking wütend.

Wenn ihr Geld spenden wollt:
Empfänger: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

(Sorry übrigens für die kleine Verspätung, der Brief ist vom 24.7.2020)

 

Napoli, der 24.07.2020

Meine Lieben!

An Alle die mir in den letzten Wochen von überall her geschrieben haben und wofür ich mich von ganzem Herzen bedanken möchte!!!

Es ist mir gerade unmöglich jedem einzeln auf seine liebe Post zu antworten und daher schreibe ich am Schluss der Zeilen alle Namen die mir in letzter Zeit geschrieben haben und lasse es im Netz veröffentlichen. So kann jeder sicher sein, dass ich (hoffentlich) niemanden vergessen habe.

Leider bin ich immer noch nicht im Krankenhaus und mein Zustand verschlechtert sich so sehr, dass ich mehrfach am Abend umkippe und eine lange Zeit auf dem Boden liege bis ich die nötige Kraft habe wieder langsam aufzustehen. Es ist eine reine Katastrophe und ich weiß auch gar nicht mehr, was ich noch tun soll.

Jeden Tag kann ich, egal zu welcher Uhrzeit, zum Arzt oder Sani, aber durch den ständigen Medikamentenwechsel wird alles eher nur noch schlimmer. Sollte sich nicht schleunigst etwas ändern werde ich eines morgens früh nicht mehr aufwachen.

Leider sind Jutta und ich bei jedem Telefonat oder WhatsApp gereizt und schlechter Stimmung.

Verständlich und dafür kann natürlich keiner etwas von uns beiden.

So stark unsere Liebe auch ist, so angreifbar ist sie.

Ich liebe sie über alles, doch das letzte was wir gebrauchen können, ist zusätzlicher Stress, zu dem was wir schon haben.

Funktioniert der Kopf nicht und man steht ständig unter Strom, dann wirkt sich das auch negativ auf die Krankheit aus und beschleunigt die bösartigen Zellen in mir.

Was ich aber entscheidend mit diesen Zeilen sagen möchte ist, ob wir uns persönlich kennen oder auch nicht, für mich seid ihr alle meine Familie auf die ich in jeder Art und Form zählen kann!

Ich weiß, dass ich scheiss viel Geld koste, mit Medikamenten und Nahrungsergänzungen für alles ich selber aufkommen muss.

Nichts von alledem ist für mich selbstverständlich und darum kann ich mich nur unzählige Male, ja sogar tausendfach bedanken.

Auch wenn Menschen sagen, dass es doch normal unter uns Linken ist, nein für mich nicht und darum egal ob Karte, Zeitungen, Kleidung, Geldspenden die auch meine Jutta etwas entlasten, möchte ich mich bei euch ALLEN aus dem tiefsten meines ganzen Herzen bedanken.

Nichts wird für mich jemals normal sein!

Darum ist es mir so sehr wichtig, dass ihr alle bescheid wisst und ich niemanden vergessen habe.

Leider ist mein Zustand so schlimm, dass ich oft nicht richtig schreiben kann und erschöpft bin.

Dann liege ich Stunden auf dem Bett und höre dank lieber Menschen etwas Musik und versuche abzuschalten.

Das Problem ist nur, funktioniert es im Kopf nicht, wird auch mein Zustand von Tag zu Tag schlimmer.

Ich kämpfe wie verrückt dagegen an, wie im Ring, aber diesen Kampf kann man nicht gewinnen, egal wie sehr man dagegen ankämpft.

Vom Gewicht nehme ich gerade langsam wieder zu, was aber die wirklich teuren Ersatznahrungsmittel dazu beitragen. Komisch nur, dass ich immer weiter am Muskelgewebe abnehme anstelle von Fettreserven.

Ohne die Spenden könnte ich mir noch nicht einmal das kaufen, obwohl ich eine Sondergenehmigung der Anstalt und aller Ärzte habe.

Man versprach mir, dass sich die Anstalt an ein paar Kosten beteiligen möchte.

Warten wir mal ab, denn bis jetzt kam noch keine einzige Unterstützung.

Auch bei einem meiner täglichen Stürze ging meine Brille kaputt und man versprach, sich auch hier der Sache anzunehmen.

Ich kann euch nur sagen, dass diese Nahrungsergänzungsmittel verdammt teuer sind, doch eine ordentliche Quittung habe ich bis jetzt noch nicht bekommen, wo alles detailliert steht.

Schade, dass Menschen die mich persönlich kennen, gerade jetzt nicht sehen können, was mit mir passiert…

Ich bin derzeit der Einzige im Secondigliano, wo diese Krankheit hat.

Sie sind überfordert und wissen selber nicht mehr, was sie machen können. So warte ich, dass ich in eine Spezialklinik überstellt werde und das schon seit über einem Jahr.

Kein Wunder, dass der Tumor nur noch streut.

Aber ich will auch nicht soviel von mir sprechen, denn das meiste steht in Zeitungen etc. und im Netz.

Mir ist einfach nur sehr sehr wichtig, dass ihr alle wisst, dass ich euch sehr sehr dankbar bin, für alle mögliche Solidarität und Anteilnahme.

Gerade was Geld betrifft weiß ich, dass es nicht so locker sitzt und jeder draußen mit jedem Euro zu kämpfen hat.

Deswegen hier nochmals ein aller herzlichstes Dankeschön an alle Menschen, die sich egal in welcher Form auch immer daran beteiligen.

Diese Zeilen sollen eine Art Rundschreiben werden an alle, die mich kennen, mir schreiben und unterstützen.

Ihr könnt auch gerne diese Zeilen veröffentlichen, damit die Menschen sehen, wie sehr ich ihnen allen dankbar bin.

Ich habe nur einen einzigen Wunsch, falls das eintreffen wird, worauf ich schon ständig warte.

Ich möchte nach Berlin überführt werden, verbrannt, was keine so hohen Kosten verursachen wird und vielleicht in Spandau beigesetzt.

Denn sie werden mich niemals raus lassen, das weiß ich nun mit ziemlicher Sicherheit, dank der drecks Deutschen Informationsquellen.

Jedes italienische Gericht hat mich trotz Gesundheitszustand als gefährlich eingestuft.

Da frage ich mich, was ein Todkranker noch für eine Gefahr sein soll, der unentwegt im Krankenhaus sein müsste.

Entschuldigt vielmals die vielen Fehler in meinem Schreiben, das liegt viel an den Medikamenten.

Nun gut meine Lieben, vielen Dank nochmals an alle, die mir bis jetzt geholfen haben, mir weiter zur Seite stehen und mir wirklich jeden Wunsch erfüllen und egal in welcher Weise zur Seite stehen !!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich danke Euch Allen von ganzem Herzen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Euer Andreas

 

Erschienen auf ABC-Wien

Juli 2020

Unser Freund Andreas stirbt…

 

… und alle sehen zu. Das, was seit mindestens einem Jahr im Knast in Neapel mit Andreas passiert, ist ein Resultat, das sowohl der deutsche als auch der italienische Staat zu verantworten haben. Trotz seines schlechten Gesundheitszustands wird Andreas trotz gegenteiliger Versprechen der Anstaltsleitung eine adäquate medizinische Versorgung verweigert. Er wird immer wieder stundenweise für fragwürdige bzw. sinnlose Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht und danach wieder in den Knast.

Bei Andreas wurde vor mindestens einem Jahr Krebs diagnostiziert, dieser hat im ganzen Körper gestreut und er hat unsagbare Schmerzen. Er kann kaum mehr gehen, nur mehr Babynahrung zu sich nehmen, er bricht Blut und ist oft tagelang bewußtlos. Sein italienischer Anwalt kämpft auf allen Ebenen für eine Haftentlassung aufgrund von Haftunfähigkeit, aber eine Verlegung in den Hausarrest wurde nun abgelehnt.

Andreas geht es sehr schlecht, Suizid scheint für ihn in der aktuellen Situation der einzige Ausweg.

Sowohl der italienische als auch der deutsche Staat kennen Andreas Gesundheitszustand. Niemand rührt auch nur einen Finger, fundamentale Menschenrechte scheinen für Gefangene nicht zu gelten. Was hier passiert ist Mord. Und auch jeder Selbstmord im Knast ist nichts anderes, denn hinter Gittern gibt es keine freien Entscheidungen mehr.

Wir können nicht tatenlos zusehen, obwohl wir unendlich traurig und wütend sind und keine Ideen mehr haben, was wir tun können.

Konfrontiert die deutschen und italienischen Behörden mit ihrer Untätigkeit, ruft beim Auswärtigen Amt an, der Boschaft und dem Konsulat.

Nieder mit allen Knästen! Nieder mit allen Staaten!

 

ABC Wien

Mai 2020

[Italien] Situation von Andreas Krebs (Update II / Mai 2020)

 

Wie wir vor Kurzem erfahren haben, hat Andreas nun endlich nach langem Hin und Her seine vollständige Krankenakte von den Behörden bekommen. Diese gibt Aufschluss über das Verhalten der Gefängnisbehörden in Neapel und die bodenlose Ignoranz gegenüber Andreas‘ Gesundheitszustand.

In der Akte befinden sich Berichte und Diagnosen, die bei Untersuchungen in unterschiedlichen Krankenhäusern außerhalb des Gefängnisses vom Jänner bis Dezember 2019, erstellt wurden. So wird bereits in einem Bericht vom 17.01.2019 von einem bösartigen Karzinom gesprochen. Ende des Jahres, im Dezember 2019, ergab eine Untersuchung im Krankenhaus, dass bei Andreas mehrere bösartige Tumore festgestellt wurden. Diese Untersuchung fand nach Andreas Suizidversuch statt, und das Ergebnis wurde danach auch an die Haftanstalt und die dortige Klinik übermittelt. Ein Bericht von November/Dezember 2019, der nach einer externen Untersuchung in einem Krankenhaus erstellt wurde und anschließend ebenfalls an die Haftanstalt übermittelt wurde spricht davon, dass Andreas zu „99.9% unheilbar krank“ sei.

So bestätigen sich nun Vermutungen, die schon länger im Raum standen. Die Behörden haben bisher jegliche Information über Andreas Gesundheitszustand verheimlicht und sowohl Andreas als auch seinen Anwalt im Dunklen über seine schwere Krankheit gelassen. Dass Andreas schwer krank ist war klar, aber genaue medizinische Einschätzungen, die aufgrund der Untersuchungen in den vergangenen 1,5 Jahren erstellt wurden, hatten die Verantwortlichen in Italien bisher zurückgehalten. Also weder die Gefängnisleitung noch die behandelnden Ärzte in der Knastklinik haben irgendeinen dieser Berichte und dessen Diagnosen Andreas mitgeteilt. Andreas Anwalt hat mittlerweile eine Klage gegen den verantwortlichen Arzt in der Haftanstalt eingereicht.

Andreas befindet sich zur Zeit nach wie vor auf der Krankenstation des Knastes und wartet auf eine Überstellung zur längst überfälligen OP. Aufgrund der nun bekannten Akten ist Andreas‘ persönliche Einschätzung, dass die Ärzte es so lange hinaus zögern, weil er sowieso unheilbar krank ist.

Das Gefängnis vernichtet die Gefangenen nicht nur psychisch, sondern, wie es der Fall Andreas Krebs zeigt, auch physisch. Die Unterlassung einer angemessenen medizinischen Behandlung hat Andreas über die letzten Jahre zerstört. Obwohl von ihm selbst, von seinem Anwalt, Angehörigen und seinen Unterstützer*innen immer wieder auf seine Beschwerden aufmerksam gemacht wurde, haben die Verantwortlichen in Neapel alle Hinweise ignoriert. Sie haben trotz offizieller ärztlicher Diagnosen ganz bewusst nichts gemacht, um Andreas‘ Leben zu retten. Sie haben die bekannten Fakten über Andreas‘ Krankheiten bis vor Kurzem vertuscht. Andreas‘ Tod ist ihnen egal, sie warten nur mehr darauf. Sie schauen mit offenen Augen dabei zu, wie er stirbt.

Das nennen wir Mord.

Wir alle wissen, wer die Verantwortlichen sind. Lasst uns noch einmal Druck ausüben und versuchen auf allen Kanälen zu intervenieren.

Bitte schreibt Andreas weiterhin, und lassen wir ihn mit dieser Situation nicht alleine! Unter folgender Adresse könnt ihr Postkarten und Briefe an ihn schicken!

Freiheit für Andreas Krebs!

Freiheit für alle Gefangenen!

Nieder mit den Gefängnissen und ihrer mörderischen Logik!

ABC Wien, Ende Mai 2020

Mai 2020

Update Andreas Krebs Mai 2020

Nach wie vor stehen wir in engem brieflichen Kontakt mit Andreas im Knast in Neapel und auch mit seiner Frau Jutta.

Andreas schreibt viele viele Briefe, schildert die Situation vor Ort in Zeiten von Corona und das, obwohl er permanente Schmerzen und sehr viel an Gewicht verloren hat, kaum essen kann und ständig starke Medikamente nimmt, die sein Bewußtsein beeinträchtigen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus steht nun fest: Wenn er nicht bald operiert wird, dann hat er nur noch wenige Wochen zu leben. Für diese OP muss er in eine Spezialklinik, danach kann er aber aufgrund des erhöhten Pflegebedarfs, den Andreas benötigen wird, nicht mehr ins Gefängnis zurück. Das heißt, aktuell geht es darum eine Wohnung in Neapel zu finden, und seine Frau eine Reise nach Italien zu ermöglichen. Und dann sind da noch die beschissenen Einreisebeschränkungen aufgrund der COVID-Situation, die es auch nahen Angehörigen verunmöglicht in den schwersten Phasen ihres Lebens nicht zusammen kommen zu können.

Der Prozesstermin für die Revision (2. Instanz) wurde nun bis auf Weiteres ausgesetzt, da er nicht verhandlungsfähig ist. Im Knast selbst gibt es viele Momente der Solidarität mit Andreas, auch von unerwarteter Seite, wie er selbst schreibt. Weil es ihm so schlecht ging und er immer wieder das Bewußtsein verloren hat, haben z.B. Mitgefangene den Einschluss verweigert und so lange protestiert, bis Andreas auf die Krankenstation kam und ein Arzt verständigt wurde. Leider ist auch das Gegenteil der Fall: Während seines Krankenhausaufenthalts wurden persönliche Dinge wie Kleidung und wichtige Medikamente aus seiner Zelle gestohlen, was neben der herben Enttäuschung auch eine zusätzliche finazielle Belastung darstellt.

Andreas lässt alle lieb grüßen. Es gelingt ihm nicht immer positiv zu denken und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen (was kein Wunder ist!), aber er bemüht sich und freut sich über jeden Kontakt, der ihn erreicht.

Schreibt ihm – die Briefe kommen alle durch und werden ihm auch ins Krankenhaus nachgeschickt.

Für Andreas nur das Beste – lasst ihn endlich raus!
Reisefreiheit für alle! Macht die Grenzen auf!

ABC Wien

Mai 2020

Krank im Knast: Eine doppelte Strafe

Knäste: auf einmal sind sie da. In Zeitungen, Nachrichtensendungen und Newsfeeds. Die Revolten von Gefangenen in Italien und Frankreich, sowie das Engagement von Gefangenen und ihren Unterstützer*innen in Deutschland, sorgen dafür, dass öffentlich über den Umgang mit Corona in Knästen gesprochen wird. Wie in so vielen anderen Bereichen auch, zeigt sich im Ausnahmezustand deutlich, was schon unter normalen Umständen nicht funktioniert. Die Gesundheitsversorgung in Knästen ist auch ohne Corona-Virus katastrophal. Knäste machen Menschen krank und zerstören Leben, Familien und Gemeinschaften. Es ist längst Zeit, dass wir uns Gedanken darum machen, wie Alternativen zu diesem System aussehen können. Währenddessen, dürfen wir diejenigen nicht aus dem Blick verlieren, die jetzt gerade unter ihm leiden.
Wir haben uns mit Jutta Krebs, der Frau des Gefangenen Andreas Krebs, getroffen. Der folgende Text erzählt von ihrer Situation.

Andreas Krebs ist momentan im Knast in Neapel, Italien inhaftiert. Vorher war er bereits 16 Jahre in Deutschland im Knast. Er ist ein rebellischer Gefangener, baute hinter Gittern die Gefangenengewerkschaft (GG/BO) mit auf, führte diverse Hungerstreiks gegen die miesen Bedingungen im Knast und beteiligte sich an einem Solidaritätshungerstreik für Gefangene in Griechenland.

Nach seiner Entlassung 2014 entschieden er und seine jetzige Frau Jutta sich dazu nach Süditalien auszuwandern. Ende Dezember 2016 kam es zu einer Auseinandersetzung mit seinem damaligen Arbeitgeber. Dieser ging auf Andreas los und würgte ihn. Andreas stach in Notwehr mit einem Taschenmesser zu. Das Opfer starb leider unter ungeklärten Umständen drei Tage später im Krankenhaus.

Weil sie nach dessen Tod in Italien immer wieder bedroht und attackiert wurden, sahen sich Jutta und Andreas gezwungen zu fliehen und gingen zurück nach Deutschland. Dort wurde Andreas aufgrund eines europäischen Haftbefehls mit Hilfe der Antiterroreinheit der deutschen Polizei im Juli 2017 festgenommen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine Odysee durch die Knäste Volkstädt, Burg und Berlin Moabit. Von Moabit aus wurde er im Mai 2018 an Italien ausgeliefert. Zurück in Italien startete noch im Mai der Prozess gegen Andreas im Secondigliano, einem Hochsicherheitsgefängnis in Neapel. Am 1. April 2019 endete das Verfahren in erster Instanz mit einem Urteil wegen vorsätzlichem Mord von 24 Jahren Haft, obwohl Beweise belegen, dass Andreas in Notwehr gehandelt hat.

In den sechs Jahren, die Jutta und Andreas sich kennen, hat sie ihn so gut es geht begleitet und unterstützt. Durch ihren engen Kontakt zu ihm und zu anderen Gefangenen, hat sie viele Einblicke in den Alltag und die Gesundheitsversorgung im Knast bekommen. Mit vielen Problemen, die immer wieder von (Ex-)Gefangenen und ihren Unterstützer*innen angesprochen werden, musste sie sich direkt auseinandersetzten:

Sie berichtet uns, wie die Behandlung von Gefangenen erschwert wird, weil die zuständigen Anstaltsärzt*innen alle paar Monate wechseln und mit der Krankheitsgeschichte ihrer Patient*innen kaum vertraut sind. Zu Fachärzt*innen und umfangreichen Untersuchungen gibt es keinen oder nur einen sehr erschwerten Zugang. Gefangene erhalten, wenn sie es geschafft haben sich eine Untersuchung in einem (Haft-)Krankenhaus zu erkämpfen, nach ihrem Aufenthalt dort keine Informationen zu den gestellten Diagnosen.
Jutta erzählt, wie die Meinungen von externen Ärzt*innen, die die Gefangenen vor ihrer Inhaftierung behandelt haben und mit ihrer Krankheitsgeschichte vertraut sind, keine Beachtung finden und wie die Weiterführung ihrer Behandlungen verunmöglicht wird. Sie weiß, dass eine “Behandlung” durch die Anstaltsärzt*innen viel zu oft bedeutet, dass Symptome mit starken Schmerzmitteln unterdrückt werden. Vor allem, wenn Patient*innen keine sichtbaren Wunden haben. Gefangene, deren Leiden nicht von außen sichtbar sind, werden schnell als Simulant*innen abgestempelt. Untersuchungen und Behandlungen werden ihnen verwehrt.

Bei Andreas wurden selbst deutlich sichtbare Wunden nicht behandelt. Diese wurden ihm bei der Festnahme von den Beamt*innen eines Sondereinsatzkommandos (SEK) zugefügt. Nach seiner Aufnahme in der JVA war es nicht das medizinische Personal, dass sich um ihn kümmerte, sondern andere Gefangene. Auch von ihnen und ihrem solidarischen Umgang miteinander, weiß Jutta zu berichten. In Italien waren es Mitgefangene von Andreas, die mit Protesten solange Druck auf die Knastleitung ausübten, bis Andreas behandelt wurde. Er selbst rettete einem Mitgefangenen durch Wiederbelebungsmaßnahmen das Leben, als diesem keiner der anwesenden Wärter zur Hilfe kam.

In Andreas Fall geht es nicht “nur” um übliche Krankheiten. Er ist schon lange schwerkrank und wird trotz Krebsdiagnose seit mehreren Jahren nicht behandelt. Andreas hat einen Nierenkrebs, der mitlerweile im Körper gestreut hat. Diese Erkrankung hängt eventuell mit der zunächst exessiven Vergabe und anschließenden aprubten Absetzung des Medikaments Subutex in einem bayrischen Knast zusammen. Subutex ist ein opidiates Schmerzmittel, dass gegen starke Schmerzen und zur Unterdrückung von Entzugserscheinungen eingesetzt wird. Ob durch die Medikamentierung im Knast verursacht oder nicht, die Krankheit, unter der Andreas schon seit Jahren leidet, konnte nur aufgrund der katastrophalen medizinischen Bedingungen im Knast in so kurzer Zeit so schlimm werden. Selbst wenn er jetzt angemessen behandelt  würde, ist unklar, ob der Krebs noch in den Griff zu kriegen wäre. Vermutlich wird Andreas bald sterben.

Ärztlich attestiert bekommen hat er das erst vor kurzem. Abzusehen war schon lange, dass eine anhaltende Inhaftierung dazu führen würde, dass Andreas in absehbarer Zeit an seinen Erkrankungen sterben wird. Diese Perspektive, das ständige Leiden und die Unmöglichkeit etwas dagegen zu unternehmen, haben sich schwer auf Andreas Psyche ausgewirkt. Im letzten Winter versuchte er sein Leben selbst zu beenden. Auch für Jutta ist die Situation der letzten Jahre kaum aushaltbar. Wie viele Angehörige muss sie Kraft darauf verwenden regelmäßig Geld in den Knast zu schicken, Besuche und die damit verbundenen Anreisewege zu organisieren und Andreas auf vielfältige Weise bestmöglich zu unterstützen. Auch in ihrem Fall stehen Behörden dabei eher im Weg, als dass sie helfen. Die deutsche Botschaft in Italien hat auf hartnäckiges Nachfragen geantwortet, nichts für Andreas tun zu können. Für mehr als einen Besuch im Jahr, gäbe es keine Kapazität. Das Jobcenter reagiert auf Auslandsreisen, die Jutta unternommen hat um Andreas sehen zu können – zumindest alle paar Monate für wenige Stunden am Tag – mit Sanktionen, statt mit finanzieller Unterstützung. Dafür, dass es Jutta nicht gut geht und sie kaum arbeitsfähig ist, gibt es erst recht kein Verständnis. Selbst von anderen Angehörigen, wie Verwandten von Andreas, gibt es keine Hilfe. Das ist nicht ungewöhnlich. Oft erleben Gefangene auch im nahen Umfeld, wie Menschen sich von ihnen abwenden.
Aus der Ferne mitansehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch in Gefangenschaft lebt ist schlimm. Nicht helfen, nicht nah sein, nicht trösten zu können. Zu oft auch, nicht da sein zu können wenn dieser Mensch stirbt, sich nicht verabschieden zu können.

Aus Perspektive des Rechtsstaates, sollen Gefangene daduch bestraft werden, dass ihnen im Knast ihre Freiheit entzogen wird. Dabei geht es um ihre Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, ihre Angehörigen und Freund*innen dann zu sehen, wann sie möchten. Die katastrophale Gesundheitsversorgung stellt eine zusätzliche Bestrafung dar. Sie beweist, dass Gefangene als Menschen zweiter Klasse gesehen und behandelt werden. Für viele Angehörige und Freund*innen bedeutet das, dass sie mitansehen müssen, wie eine geliebte Person fertig gemacht und  schlecht versorgt wird. De-facto werden sie mitbestraft.

Wir können die Zustände in den Knästen und die Art wie Justiz und Strafvollzug mit Menschen umgehen nicht hinnehmen. Neben direkter Hilfe und Aktionen, wie dem Schreiben von Briefen an Gefangene, finanzieller Unterstützung, auch von ihren Angehörigen, dem Ermöglichen von Besuchen und vielem mehr, können wir durch Plakate, Demos und Veranstaltungen dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden. Wir können uns und andere informieren, Stigmata bekämpfen, uns zusammenschließen und Alternativen aufbauen, für eine Welt, die keine Knäste braucht.

Helft mit. Helft Jutta und Andreas. Kämpft mit für eine Gesellschaft, die keine Knäste braucht.

Andreas und Jutta könnt ihr direkt unterstützen!

Andreas freut sich über Post, vor allem, wenn ihr ihm was zu Lesen mit reinschickt. Seine Adresse ist:
Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italien

Außerdem freuen die beiden sich über Spenden, um die Anwaltskosten, Lebenskosten im Knast usw. zu bezahlen. Das Konto ist:

Empfänger:  Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/ Andreas Krebs

 

ABC Berlin

April 2020

Tagebucheinträge von Andreas vorgelesen von Radio Durchbruch

Radio Durchbruch – 13. Sendung: AntiKnastradio Berlin, Nachrichten, Schwerpunkt: Interview mit der Insassenvertretung der JVA Plötzensee und Neues vom Gefangenen Andreas Krebs in Neapel

 

Weitere spannende Sendungen findet ihr unter:

https://radiodurchbruch.noblogs.org/

 

 

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Wir dokumentieren hier Auszüge aus dem Tagebuch von Andreas Krebs, das er uns schon vor ca. 2 Wochen zugeschickt hat. Wir haben manche Sätze aufgrund der besseren Lesbarkeit bzw. um staatliche Repression nicht noch weiter anzuziehen ein klein wenig verändert.

Aktuell ist Andreas seit einigen Tagen im Krankenhaus. Es geht ihm gesundheitlich so schlecht, dass der Knast ihn sogar in den Hausarrest schicken möchte, worüber aber aktuell noch juristisch entschieden werden muss. Im Krankenhaus wird er nun erstmals operiert. Wenn die OP glückt, sind seine Aussichten auf ein Überleben trotz Krebs halbwegs ok. Wenn nicht, dann geben ihm die ÄrztInnen noch ca. 3 Wochen.

Andreas lässt allen liebe Grüße ausrichten. Er ist ein Kämpfer und hat sich trotz seines Gesundheitszustands rege in unterschiedlichen Rollen an den Revolten im Knast beteiligt.

Wir fordern die sofortige Freilassung von Andreas und ein Ende der Repression gegen seine Person.

Bitte schreibt ihm weiterhin Briefe, diese geben ihm sehr viel Kraft.

ABC Wien, 12. April 2020

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Auszug aus meinem Tagebuch

Dienstag, den 10. Marz 2020

Die Nachrichten überschlagen sich in ganz Italien. Die Beamten tragen nun Gesichtsschutz und sind dazu veranlasst worden, auch Handschuhe zu tragen. Mittlerweile sind über vierzig Haftanstalten in ganz Italien an den Revolten beteiligt und über zwanzig Gefangene dadurch ums Leben gekommen. Sechs Gefangene durch Eigenverschulden, in dem sie die Anstaltsapotheke plünderten und sich versehentlich eine Überdosis Methadon gaben, und die anderen Gefangenen kamen durch die Staatsmacht ums Leben. So wurden einige Gefangene durch Schüsse durch die staatliche Eingreiftruppe getötet. Sollte es auch hier zum Eingreifen der Polizei kommen hilft es recht wenig, sich auf den Bauch zu legen und die Hände hinter dem Kopf zu verschränken. Denn sie nehmen keinerlei Rücksicht auf Unbeteiligte und schlagen alle Gefangenen zusammen. Wenn es soweit kommt, so hoffe ich, dass es nicht ganz so heftig wird.

Sechzig Gefangenen ist bereits durch die Revolte die Flucht gelungen und bis jetzt hat man noch keinen ergriffen. Die ruhigste Abteilung ist derzeit noch die Universitätsstation, doch durch die ganzen Maßnahmen wird es sicher nicht bei dieser Ruhe bleiben, und ich hörte dies auch heute durch das Belauschen von Gesprächen unter den Beamten.

Bis in die späten Mitternachtsstunden hört man das Geschrei aus den anderen Häusern der Altri Sicureza und teilweise sogar bis in die frühen Morgenstunden. Da nun jeder Gefangene derzeit nur die Möglichkeit der Videotelefonie, also Skype, hat, anstelle seines Besuches jede Woche, ist die Nachfrage so groß und die Kapazität der Anstalt so überlastet, sowohl Personal als auch von den Internetleitungen und Gerätschaften, dass jeder Gefangene nur zwanzig Minuten Besuch über das Internet machen kann.

Das heißt also, anstelle der normalen Stunde pro Woche, ist der Besuch auf zwanzig Minuten gekürzt, damit auch jeder Gefangene drankommt, und die Anstalt es sonst nicht schaffen würde und nicht für eine so große Anzahl an Inhaftierten ausgestattet ist. Wie weit das Ganze noch geht, ist kaum abzusehen, doch bin ich sehr schockiert über diese krassen Zustände, wie sie gerade zu spüren sind.

Was mich betrifft, so war ich heute bei der, schon wieder, neuen Ärztin. Die andere war gerade mal etwas über eine Woche hier und schon ist sie wieder weg. Die neue Ärztin ist nun doch sichtlich besorgter und veranlasst nun alles Weitere. Für die notwendige Biopsie stehe ich auf einer Warteliste, und es werden nun weitere Tests mit Medikamenten gemacht, nachdem endlich in meiner Krankenakte festgehalten wurde, dass ich eine Medikamentenunverträglichkeit habe. Schön will ich nichts reden, denn so viele Ärzte versprachen endlich tätig zu werden und kaum einer hat es wirklich eingehalten. Also heißt es weiter abwarten, wie es weitergeht und ob nun wirklich etwas gemacht wird oder das auch nur leere Versprechungen waren. Komisch, dass man am ersten Dezember, als ich wegen des Suizides im Krankenhaus war, einen Tumor festgestellt hat, und man hier erst weitersehen und weitere Tests machen möchte.

Ganz komisch und richtig dubios das Ganze!

Man merkt hier eine extreme Anspannung, sowohl unter den Gefangenen als auch unter den Pflegern, die ja mittlerweile auch so aussehen. Merkwürdig und irgendwie gespenstisch, wenn man plötzlich die Beamten mit Mund- und Handschutz sieht. Aber, und auch das musste ich heute beobachten, halten sich nicht alle Beamten daran und viele ignorieren den Mund- und Handschutz. Für mich handeln sie hier schon grob fahrlässig, denn schließlich ist dies vom Ministerium mittlerweile so vorgegeben. Wenn also ein Gefangener Infiziert ist, dann nur durch das Anstaltspersonal, anders kann er sich unmöglich angesteckt haben.

Während ich diese Zeilen gerade schreibe, schießt mir durch den Kopf, wie sehr sich nun alle von meinen Lieben draußen Sorgen machen, wenn sie die Nachrichten hören, was gerade in Italien los ist und quasi schon der Ausnahmezustand herrscht. In den Nachrichten wird von der Roten Zone gesprochen. Nun das trifft jetzt aktuell auf ganz Italien zu.

Ich befinde mich gerade in irgendeinem schlechten Horrorfilm!

Mittwoch, der 11. Marz 2020

Heute musste ich wieder ackern bis fast zum Umfallen, das heißt, dass ich alle Bereiche, die Beamte anfassen, desinfiziert habe zum Schutz für uns alle. Gestern Abend durfte ich um ca. 21 Uhr noch zu Hause bei Jutta mit einem genehmigten Zusatztelefonat anrufen, was jedem Gefangenen zugesprochen wurde, damit man seine Angehörigen über die aktuelle Situation auf dem Laufenden hält und sie beruhigt.

Donnerstag, der 12. Marz 2020

Oh was für ein Tag, einfach unerträglich und noch dazu, dass ich nicht einmal diese Videotelefonie machen konnte. Die Internetverbindung ist so schlecht hier, dass man mich einfach vor einen Monitor setzte und ich eine Stunde meinen Besuch vor einen leeren Monitor verbrachte, ohne dass ich Jutta sah oder sprechen konnte. Ich bin danach so ausgeflippt, dass man mich erst einmal beruhigen musste. Was für eine miese Schweinerei!!!!!!! Bin total niedergeschlagen und weiß gerade nicht weiter!

Aber wir können nichts dagegen machen und sind dem allen schutzlos ausgeliefert.

Freitag, der 13. Marz 2020

Scheissdrecksladen! Mittlerweile sind auch Gefangene mit dem Virus Infiziert und wurden von Beamten angesteckt. Die Sache scheint kein Ende zu nehmen, und alle sind in größter Panik. Aber wenn ich die Beamten so sehe, dann schüttle ich nur den Kopf, denn nur wenige halten sich daran und tragen die ganze Zeit während ihrer Schicht einen mickrigen Mundschutz, der immerhin besser als gar nichts ist. Aber auch das hilft recht wenig, wenn ich sehe, dass sie dafür keine Handschuhe tragen. Die einen tragen Mundschutz, aber keine Handschuhe, die anderen wiederrum tragen Handschuhe, aber dafür keinen Mundschutz. Ganz andere tragen vielleicht beides, aber ziehen den Mundschutz dauernd zur Seite, damit sie genüsslich rauchen können und den Rauch schön kräftig aus den Lungen ins Freie blasen.

Es widerspricht sich einfach alles!

Nun sind alle Gefangenen, die arbeiten gehen und Beamte in ihrer Nähe haben, am überlegen, ob sie nicht die Arbeit einstellen, damit sie so auf diese Missstände hinweisen und auch vermeiden angesteckt zu werden, und dies dann auf der Station an andere Mitgefangene weitergeben. Denn obwohl die Beamten bzw. alle darauf hingewiesen wurden, dass sie zum Schutz der Gefangenen einen Mund- und Handschutz tragen müssen, halten sie sich nicht immer daran. Sobald sie unten in der Zentrale herumlaufen, wo ebenfalls Gefangene – unter anderem ich – sind, höre ich, wie die Beamten herum motzen wegen dem lästigen Tragens des Mundschutzes und sich diesen einfach abnehmen. Gefangene haben schon Psychosen deswegen und gehen den arbeitenden Gefangenen, die mit den Beamten in näheren Kontakt kommen, aus dem Weg. Andere sitzen beim Essen und haben schon im Bauch ein regelrechtes Unwohlsein.

Es sind gestern einige aus der Haftanstalt aus Foggia nach Secondigliano verlegt worden, die an einer Revolte beteiligt gewesen waren. Dementsprechend sind die Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. So habe ich gesehen, wo sie untergebracht wurden, in absoluter Einzelhaft mit rundum Überwachung in den Häusern von Altri Sicureza. Denn ich musste gestern einen Gefangenen, der entlassen wurde, zur Kammer begleiten, und ich half ihm beim Tragen seiner Sachen. Und da die Kammer genau bei den verschärften Überwachungshäusern ist, habe ich also alles mitbekommen und konnte hören, was die Beamten gesprochen haben. So darf auch nicht jeder Beamte den Bereich betreten, wo die von der Revolte untergebracht wurden. Aber auch unsere Jungs, die auf die Barrikaden gingen, sind mittlerweile zerschlagen und verlegt worden. Doch das war noch nicht alles und der nächste Aufstand, gerade durch die nun infizierten toten Gefangenen, ist schon vorprogrammiert. Ein einziger kleiner Funke genügt, und dann geht die nächste Post erst richtig ab. Das Schlimme ist nur, dass die Gefangenen sich dann nicht nur auf das Anstaltspersonal und den Staat an sich konzentrieren, sondern den Aufstand auch für private Zwecke nutzen und einige Rechnungen, sprich Vendetta, mit anderen Mitgefangenen begleichen. Und so töten sie sich auch untereinander.

Zum Telefonieren: Nun müssen wir fast eine Woche warten, bis wir uns wieder hören dürfen und vielleicht auch sehen, wenn es diesmal mit der Verbindung bei Skype funktionieren sollte. Es ist eine einzige Qual, dass wir ihnen so ausgeliefert und auf das wenige Telefonieren von gerade mal zehn Minuten angewiesen sind. Dazu diese weite Entfernung von 1800 Kilometer, ein wirklich absoluter Alptraum! Wie gerne wäre ich jetzt bei meiner Frau. Sie ist mein einziger Halt im Leben, gibt mir Kraft und Energie, um weiter zu machen, diese ganze Scheiße durchzustehen!

Eigentlich sind die ganzen Probleme hier drinnen nichts, zu dem was die Angehörigen draußen durchmachen müssen. Draußen sind die wirklichen Probleme, in jeder Form, was wir Gefangene oft ganz vergessen. Wir denken immer, dass draußen alles so toll ist und sehen nur die Freiheit. Doch draußen musst du genauso hart und noch viel härter für alles kämpfen. Behörden, die Miete monatlich bezahlen zu können, Arbeiten, um sich ernähren zu können und und und und. Dazu vielleicht noch die Kinder, die man hat und ganz besonders, wenn sie noch klein sind. Hier drinnen musst du dich darum nicht kümmern. Obwohl es schon ein krasser Unterschied ist im Ausland in Haft zu sein, wo man wirklich glaubt sich in einem Dritte-Welt Staat zu befinden, als im eigenen Heimatland, wo man sich doch etwas mehr um die Gefangenen kümmert, als hier, wo man sich komplett selbst überlassen ist und zusehen muss, wie man überlebt.

Dann sind wir ja auch nicht mehr die Jüngsten und zunehmend merkt man das Alter und die Kräfte, die an einem zehren. Es ist anders, als wenn man gerade mal 25 Jahre jung ist.

Werde mich heute zeitig von diesen Tag verabschieden und auf die Station gehen, Duschen, etwas Essen und dann ins Bett. Bin K.O. und zudem, wer weiß, was heute noch passiert. Denn es ist gerade wirklich alles möglich und offen. Die letzten zwei Tage ist es zwar ruhiger geworden, aber dabei wird es nicht lange bleiben und das Fass wird erneut überlaufen.

Samstag, der 14. Marz 2020

Und wieder ein neuer Tag, diesmal kracht es gerade unter den Gefangenen gewaltig, und alle sind total angespannt. Kann kaum schreiben, so sehr nimmt mich dieser Zustand gerade mit. Irre und noch nie habe ich sowas erlebt. Es ist wie in einem Horrorfilm und draußen soll angeblich niemand auf der Straße zu sehen sein außer die Bullen. Es gibt sogar eine Verordnung, wo jeder ab 18 Uhr in seiner Wohnung bleiben muss, außer die, die arbeiten. Geöffnet haben nur der Supermarkt und die Apotheke, alles andere hat bis auf weiteres geschlossen. Kein Restaurant oder sonstiges Geschäft hat geöffnet. Die Beamten sind gereizt, und ich höre aus den Gesprächen was draußen los ist und dass alles eher einer Geisterstadt gleichkommt. Und das macht sich auch hier innerhalb der Mauern sehr, sehr stark bemerkbar. Mit keinen ist es mehr auf meiner Station auszuhalten und ich wäre ganz froh, wenn ich niemanden sehe und höre, selber isoliert bin. Brauche so dringend meine Ruhe und meinen persönlichen Rückzugsort. Deswegen arbeite ich lieber wie ein Depp, als dass ich noch irgendjemanden ertragen muss! Komme mit mir selber nicht mehr klar und dazu die eigenen Sorgen, wie kann ich dann mit anderen auskommen. Wie kann ich anderes Gequatsche noch ertragen, wenn der eigene Kopf überlagert ist mit Sorgen und Ängsten?!

Sonntag, der 15. Marz 2020

Was für ein grausamer Zustand, es wird immer schlimmer unter uns allen!

Montag, der 16. Marz 2020

Und nun ist es also richtig passiert, es herrscht Ausnahmezustand. Seit sieben Uhr befinde ich mich wieder beim Arbeiten und habe nur noch ein Grinsen auf meinem Gesicht, weil hier alles drunter und drüber geht.

Die Menschen draußen müssen beim Einkaufen sogar diszipliniert in der Reihe stehen und eineinhalb Meter Abstand zum nächsten einhalten. Ich bin ja gespannt, wie lange es dauert, bis es zu den ersten Plünderungen kommt.

Meine Mitgefangenen aus den ganzen Abteilungen haben stellenweise keine Ahnung was sich in der Zentrale und in dem Büro des Inspektors abspielt, welch krasses Chaos eigentlich herrscht. Ich warte hier nur noch auf die erste richtige Geiselnahme, dann glaube ich, ist das Maß voll.

Dienstag, der 17. März 2020

Gestern war der Teufel los, und der Stationsbeamte trug den ganzen Tag keinen Gesichtsschutz, woraufhin die Gefangenen ihn am Gitter zur Rede stellten und ausflippten. Seine Antwort war total frech. Warum tragen die keinen Gesichtsschutz, sie könnten uns jederzeit anstecken, worauf er sagte: Warum? Wir haben doch keinen Karneval!

Darauf sind die Menschen ausgeflippt und schrien ganz laut, dass sie ihm etwas antun, wenn er so die Station betritt, und wir verweigern alle den Einschluss. Nach kurzer Zeit, als der Einschluss gewesen wäre, kam ein anderer, höherer Beamter und war mit Gesichtsschutz und Handschuhen versehen und schloss uns ein. Der Beamte, der sich ständig weigerte, beobachtete ohne Gesichtsschutz, wie sein Kollege uns einsperrte.

Nun haben mich die Gefangenen auf Station gebeten, wenn ich um sieben Uhr zur Arbeit gehe, dass ich mit dem Brigadier spreche und ihm erzähle, was auf der Universitätsabteilung los ist, und dass der für die dritte und vierte Station zuständige Beamte sich weigert, die Vorschriften einzuhalten. Sie wollen alle keinen Ärger, aber es genügt gerade ein Funke, und dann haben alle ein richtiges Problem. Um sieben Uhr ging ich morgens also zur Arbeit und sah auch schon, dass der Brigadier in seinem Büro saß. Ich fragte ihn, ob er kurz Zeit hätte, und er sagte wie immer sehr höflich „Klar, setz dich.“ Dann schilderte ich ihn, was los gewesen ist, und er war entsetzt und auch empört darüber, dass Stillschweigen über den Vorfall herrscht und kein Vermerk gemacht wurde. Auf jeden Fall kam der Beamte dann zum Dienst, und der Brigadier zitierte ihn sofort in sein Büro, wo auch gleich der Teufel los war und mehrere Beamte mit dazukamen. Ich hörte dann aber auch, dass ein Beamter fragte, wer sich denn beschwert hätte, und es der Deutsche gewesen ist. Der Brigadier sagte, nein, dass ich es nicht gewesen bin und danach kam der Brigadier zu mir und sagte, dass ich auf der Station ausrichten kann, dass dies nicht mehr vorkommt, und wenn sie ein Problem haben, sie sich jederzeit an ihn wenden können. Nun ist der Beamte auf der Station und trägt seinen Gesichtsschutz wie vorgeschrieben. Besser so, denn die Situation war gestern so heikel, dass Gefangenen ihn sogar durch das Gitter mit Gegenständen bewerfen wollten.

Ich richtete es den Jungs auf der Station aus, und sie waren sichtlich erleichtert, dass die Lage nicht überschwappt. Draußen vor der Anstalt stehen um die 500 Bullen bereit, falls irgendetwas passiert. Abgestellt für alle Fälle.

Ich versuche von den ganzen Ereignissen Abstand zu nehmen und arbeite oder schreibe diese Zeilen, um mich selbst abzulenken und nicht über alles nachdenken zu müssen. Leider geht es gesundheitlich täglich schlechter und nun, nachdem ich mir vor Wochen die Zähne ziehen musste, habe ich gestern Abend festgestellt, dass die nächsten zwei rausmüssen. Ich verstehe das nicht, denn sie sind eigentlich in gutem und gepflegtem Zustand. Mein Organismus spielt dermaßen verrückt, dass das sicher auch damit zu tun hat. Ich sehe immer schlechter und muss beim Lesen eine zweite Brille aufsetzen, so schlimm ist es mittlerweile. Auch die Wasserablagerungen in den Beinen habe ich fast täglich und sind beim näheren Hinsehen zu bemerken. Weiter tut mir der Bauchraum weh, genau da, wo die Nieren und die Prostata sitzt. Die Ärztin, die gerade da ist, hat ihren Ruf weg und zu der braucht man erst gar nicht gehen. Das ist dieses Person, die schon vor etwa zwei Wochen mal kurz abgelöst und durch eine andere Ärztin ersetzt wurde. Nun ist sie wieder da, und ich mache keinen Hehl daraus, was ich von ihr halte und alle Beamten stimmen mir da auch zu. Ich lebe täglich mit schon selbstverständlichen Schmerzen. Selbstverständlich deshalb, weil ja niemand etwas dagegen macht. Wie ich mittlerweile erfahren habe, hat der Tumor gestreut. Das ist die Quittung für das lange warten mit einer Ausführung ins Krankenhaus für eine OP.

Durch diese Geschichte mit dem Virus sind alle Ausführungen sowie auch die Anwaltsbesuche gesperrt. Niemand kommt hier rein oder raus. Auch kein Psychologe oder Psychiater darf hier rein, obwohl er einige Gefangene gibt, die darauf wirklich angewiesen sind. Aber leider hat man alles aus Sicherheitsgründen eingestellt. Das einzige was momentan gemacht wird, ist, dass an einige Gefangene großzügig Medikamente zur Ruhigstellung ausgeteilt werden. Man versucht alles, damit sich die Lage entspannt, jedoch denke ich, dass es so nicht funktionieren kann. Auch gerade weil ich erfahren habe, dass die Internetverbindung so schlecht ist, dass viele Gefangene keine Videotelefonie machen können. Das wird ein Riesen-Theater geben. Viele Gefangene haben heute Morgen um acht Uhr bereits die Büros des Inspektors und des zuständigen Beamten für die Videotelefonie gestürmt, weil die Anstalt nicht mehr in der Lage ist, den Besuch für jeden Gefangenen durchzuführen. Weder die Kapazitäten noch die Verbindung funktionieren, und das heißt, dass die meisten Gefangenen richtig angespannt und gereizt sind. Ein sehr schlimmer Zustand gerade. Und dazu das Wissen, dass draußen 500 Bullen bereitstehen, im Falle einer Eskalation, macht die Sache noch schwieriger. Diese ganze Situation wird sich noch sehr lange ziehen, und ich bin mir sicher, dass das mit dem Virus und die Verbreitung der Bakterien noch schlimmer wird. Es wird sich nichts beruhigen, und der Zustand wird die nächsten Wochen anhalten. Heute hat man viele Gefangenen aus Poggioreale hierher verlegt, aus Sicherheitsgründen und Isolation, wie es heißt. Zwei Isolationszellen sind bereits mit Bettwäsche und so weiter von mir ausgestattet worden, da ich auch für die Reinigung dieser Zellen zuständig bin.

Wir warten also und vegetieren teilweise vor uns hin, und eine Verzweiflung macht sich in uns allen breit. Wir wissen nicht, wie es unseren Angehörigen draußen geht und umgekehrt genauso. Was bleibt, ist zu hoffen, dass es noch ein relativ gutes Ende nimmt. Obwohl ich es objektiv sehe und das Ganze noch in ein Ausmaß steigen wird, was wir nie erwartet hätten.

ABC Wien

März 2020

Ankündigung Radiobeitrag – Wie viele sind hinter Gittern, die wir draußen brauchen

 

Am Dienstag, den 3.3. wird es von 19 – 20 Uhr folgende Beiträge geben:

-Interview mit dem Gefangenen Thomas Meyer Falk

-Zur Situation des Gefangenen Andreas Krebs

-Gespräch zum 18.März

 

Die Sendung wird wiederholt am Donnerstag, den 5.3. von 11 -12 Uhr, den Dienstag, den 10.2.von 19:00-20:00, Donnerstag, den 12.3. von 11 -12 Uhr und von 22-23 Uhr.

Zu empfangen per Livestream über: www.radioflora.de

Genaueres zu den Themen:

Interview mit dem Gefangenen Thomas Meyer-Falk

Thomas befindet sich seit 1996 im Knast und seit 2013 in SicherungsverwahrungEr wird wohl in absehbarer Zeit eher nicht frei gelassen werden. Thomas Meyer-Falk, z. Zt. Justizvollzugsanstalt (SV),Hermann-Herder-Str. 8, D-79104 Freiburg

https://freedom-for-thomas.de

 

Zur Situation des Gefangenen Andreas Krebs

Andreas Krebs ist zur Zeit in Neapel inhaftiert. Im April 2019 wurde er in Italien zu 24 Jahren Knast verurteilt. Andreas hat darüber hinaus vor kurzem Nierenkrebs diagnostiziert bekommen. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich laufend und wir fürchten um sein Leben. Andreas war jahrelang in den Fängen der deutschen Justiz und war insgesamt über 16 Jahre im Knast. Er ist ein rebellischer Gefangener, baute hinter Gittern die Gefangenengewerkschaft (GGBO) mit auf, führte diverse Hungerstreiks gegen die Knastbedingungen und beteiligte sich auch an einem Solidaritätshungerstreik für die Gefangenen in Griechenland. Im Mai beginnt der Revisionsprozess für Andreas in Italien.

https://andreaskrebs.blackblogs.org

 

Gespäch zum 18. März 2020

Der 18. März steht in der Tradition des Gedenkens an die Kämpfenden der Pariser Kommune. 25 000 Kommunard*innen wurden am 18. März 1871 in Paris umgebracht und 3000 in den Gefängnissen gepfercht. Die 13 700 Menschen, welche für die Pariser Kommune eingeknastet wurden, sind ein Symbol für all diejenigen politischen Gefangenen welche heute für ihre Kämpfe gegen Unterdrückung und Ausbeutung mit Gefängnis bestraft werden. Wir sehen die Gefängnisse als ein Werkzeug der herrschenden Klasse um ihre Macht aufrecht zu erhalten. Deswegen sind wir auch für die Freiheit aller sozialen Gefangenen. Menschen die inhaftiert werden, weil sie ihr unzureichendes Einkommen aufbessern oder sich ihrer Unterdrückung entziehen wollen um einfach zu überleben. Weil wir dazu nicht schweigen können und wollen, gehen wir auf die Straße!“ (Aus dem Aufruf des Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen)

political-prisoners.net

Januar 2020

DIY Punk Beisl: Soli für Andreas Krebs @ekh (Wien)

 

Freitag, 31. Jänner DIY Punk Beisl: Soli für Andreas Krebs
ab 17 Uhr, Medienwerkstatt: Cut-And-Paste Grafik-Workshop

Du möchtest eine coole Grafik für deinen Konzertflyer/Zine/Demo deiner Band etc. machen und Photoshop ist nicht dein bester Freund? Go back to the roots! In diesem Workshop kriegst du einige praktische Tipps wie du fast oder ganz ohne Computer doch eine geile Grafik machen kannst. Wir werden zusammen Flyer für die nächsten DIY Punk Beisl Veranstaltungen gestalten bzw. je nach euren Wünschen und Motivation auch anderes. Für Material wird gesorgt. Ihr dürft trotzdem gerne alte Zeitschriften und Fotobücher zum Ausschneiden mitbringen.

19-22 Uhr, Galerie: Flinta* Folk Punk Jamsession, hosted by the flinta*-part of Stromabwärts

Warum? Weil es uns ankotzt, immer nur cis Typen auf der Bühne zu sehn und weil Folk Punk cool ist. Wir haben einen ganzen Raum voller Instrumente, schon mal fix dabei sind Akkordeon, Concertina, Banjo, Saxophon (Sopran und Alt), Ukulele, Melodika, Waschbrett, Gitarre, Blockflöte, Kazoo, Banjo Bass, Mundharmonika, Glockenspiel… Und was auch immer euch noch für mehr oder weniger basic Instrumente einfallen. Keine Kenntnisse notwendig, nur Motivation! An alle die schon
was spielen können, wie wärs mal was Neues auszuprobieren? Also werft euch in euer oogligstes Gewand, schmiert euch Dreck ins Gesicht und los geht’s!
(Flinta* = Frauen, Lesben, Inter, Nicht-Binär, Trans, Agender)

ab 21 Uhr, Medienwerkstatt: Info-Vortrag zur aktuellen Situation von Andreas Krebs
Das DIY Punk Beisl im Jänner ist eine Soliparty für Andreas Krebs, der in Neapel (Italien) im Knast ist und schon seit einem Jahr aufgrund seines kritischen Gesundheitszustandes dringend ins Krankenhaus muss, was ihm jedoch verwehrt wird. Einen Selbstmordversuch anfang Dezember hat Andreas nur knapp überlebt. Der Zustand in dem er sich befindet ist erschreckend und es ist ein langer, leidsamer Weg den er geht. Deshalb sammeln wir Kohle, die Andreas dringend für Medikamente, gerichtliche Gutachten und Lebensmittel braucht. Nähere Infos gibt’s während der Veranstaltung, sowie auf

https://www.abc-wien.net/

ab 22 Uhr:
CASKAR (Folk Punk/Crust, München)
SCHNORRENDE RATTEN (Kleinkunst Trash, Wien)
HIËNA (D-Beat/Hardcore)

ekh
wielandgasse 2-4
1100 wien

Januar 2020 (Francais / Deutsch)

Un atelier pour Andreas // Eine Veranstaltung in Paris für Andreas

 

In Paris beim Gefangenen-Schreib-workshop waren wir diesem Sonntag 06.01. viele und kreativ. Es wurden drei mit Briefen, Collagen, Zeichnungen, Gedichten und Comics voll gestopften Briefumschläge richtung Neapel geschickt und sie werden ein kleines Stück unserer Solidarität unserem Gefährten Andreas Krebs mitbringen. Die Mauer der Gefängnissen waren wir leider noch nicht in der Lage abzureißen, diese Solifoto aber wird sie durchbrechen – hoffentlich. Freiheit für alle Gefangene und Solidarität sofort mit Andreas Krebs!

Hier der Französischsprachige Artikel dazu:

 

Nous étions nombreu.ses/x et créati.ves/fs à l’atelier d’écriture aux détenu.es du dimanche 5 janvier. Ce sont trois enveloppes pleines de lettres, collages, dessins, poèmes et planches de bandes dessinées qui sont parties vers Naples et qui porteront un peu de notre solidarité à notre compagnon Andreas Krebs. Nous n’avons malheureusement pas encore pu détruire les murs des prisons, mais cette photo de solidarité les traversera, nous l’espérons.

Liberté pour tou.tes les prisonnier.es !
solidarité MAINTENANT avec Andreas Krebs !

 

Notre article sur la situation d’Andreas ici.
Le blog du groupe de solidarité d’Andreas ici.

 


 

Tout système pénal possède un arsenal de sanctions, et parmi ces sanctions la peine de prison crée particulièrement des souffrances. Si les critiques à l’encontre de la police et de la justice s’amplifient, la question de la prison demeure malheureusement sous-traitée. Une conséquence directe est le faible niveau de solidarité s’exprimant en direction des personnes détenues. Nous publions également ce texte sur paris-luttes.info.


Andreas Krebs, prisonnier rebelle et solidaire, a tenté de mettre fin à ses jours. Nous organisons un atelier d’écriture aux détenu.e.s le 5 janvier et souhaitons lui consacrer. L’écriture est une façon accessible de briser l’isolement carcéral, de créer des liens, de montrer que, dehors, nous sommes solidaires. Ecrire aux prisonnier.es est toujours une urgence. Parfois, cela semble encore plus nécessaire que d’habitude. C’est le cas pour nous ce dimanche.

Andreas Krebs a été condamné en 2018 à 24 ans de prison pour le meurtre de son ex-employeur, et pour sa proximité avec la RAF. Andreas est enfermé à Naples et souffre d’un cancer des reins. L’annonce de sa tentative de suicide par son groupe de soutien ici (traduction ici ) a provoqué en nous beaucoup de peine et de colère. Parce que c’est Andreas, qu’il est notre compagnon, mais aussi parce que si ce n’était pas lui, ce serait un.e autre prisonnier.e. “Cette fois, c’est Andreas”, comme le rappelle son groupe de soutien : cette fois, c’est notre compagnon qui a tenté de mettre fin à ses jours, mais les suicides et tentatives de suicide en prison sont constants et systématiquement passés sous silence.

L’objet des prisons : produire de la souffrance

La peine de prison est loin de se limiter à une entrave à la liberté d’aller et de venir. Le souci pour la dignité et l’intégrité des personnes s’arrête à la porte des prisons. La peine de prison dépersonnalise et désocialise les personnes qui la subissent. Elle prive de relations sociales importantes et impose des conditions de vie indignes. Dans les prisons françaises, on compte en moyenne un décès tous les deux jours, principalement par suicide. En 2017, 103 personnes incarcérées se sont suicidées, 131 se sont suicidées en 2018. Le taux de suicide est 6 fois plus élevé en prison que dans la population générale – autant d’ami.es, de compagnon.nes, de frères et de soeurs que les prisons et leur monde nous ont pris.

Dans les CRA, les lieux d’enfermement psychiatrique, les maisons d’arrêt (voir note 1) et les établissements pour peine (voir note 2), on ne voit parfois comme seule issue que la tentative de suicide.

Que ce soit pour éviter une expulsion, pour abréger des souffrances physiques intolérables, comme celles d’Andreas, ou pour mettre un terme aux souffrances psychiques : quelles que puissent être les raisons de la tentative de suicide, la coupable, c’est la taule.

Soin médical dégradant

En 2006, la Commission européenne de Prévention de la Torture (CPT) a réalisé des visites dans les prisons françaises et dénoncé un soin médical perverti et dégradant. Les personnes détenues présentant des états de souffrance mentale aiguë sont placées dans des cellules d’isolement, traitées sous contrainte, obligées de rester nues en cellule et soumises à un contrôle visuel régulier du personnel pénitentiaire. Pour la CPT, cette situation s’apparente à un traitement inhumain et dégradant. Les personnes atteintes de maladies graves, comme Andreas, se voient généralement refuser les soins nécéssaires : en clair, on les laisse d’abord souffrir, puis mourir.

S’évader mentalement pour mieux faire face

Toutes les personnes détenues peuvent écrire et recevoir des lettres, sans limitation quant à la longueur des écrits ou à la fréquence des lettres. En détention, recevoir du courrier est important pour tenir moralement. C’est une marque de soutien et un lien avec l’extérieur. Le courrier signale également à l’administration pénitentiaire et aux maton.nes que la personne n’est pas isolée : c’est important si elle subit (ou est susceptible de subir) des violences, comme par exemple, dans le cas d’Andreas, le refus de soins vitaux.

Il y a mille manières de lutter contre la taule : ce dimanche 5 janvier, luttons ensemble en écrivant. Recevoir une lettre donne du courage, et parfois même la force de continuer à se battre encore un peu. Une lettre permet de s’évader des quatre murs. Une lettre permet, pour quelques instants, de ne plus être aussi seul.e. Alors écrivons !

Des adresses, un atelier d’écriture

Pour favoriser l’écriture aux personnes en détention, la section francilienne de l’Anarchist Black Cross (ABC) met à disposition sur son blog des adresses de personnes incarcérées souhaitant recevoir du courrier ainsi que des conseils pour l’écriture.

Aussi, l’ABC Paris-IDF organise chaque mois un atelier d’écriture aux personnes incarcérées. L’ambiance y est chaleureuse et vivante. On valorise la diversité des pratiques pour permettre à chacun·e de s’exprimer selon ses envies : carte postale, écriture individuelle, mais aussi collective, dessin, découpage, etc. On propose notamment d’écrire collectivement aux dos d’affiches jolies et subversives. On peut aussi frotter des cartes postales avec de la cannelle, glisser des paillettes dans les enveloppes, etc.

Le prochain atelier aura lieu le dimanche 5 janvier 2020 (13h-17h) au Centre Social Autogéré de la Parole Errante (Montreuil).

Ce sera notamment l’occasion de montrer à Andreas Krebs que nous sommes avec lui, et à l’administration pénitentiaire qu’il n’est pas seul.

Sortons le grand jeu : nous vous appelons à venir armé.es de fleurs, de feuilles, de parfums, de confettis, d’images à découper, de poèmes, de sable, de paillettes, de couleurs, de plumes, de gommettes, d’autocollants, de papier de couleur, de photos, de cartes postales, de journaux, de tout ce qui vous semblera beau.

L’objectif : envoyer plusieurs enveloppes surchargées à Andreas. Il parle allemand, italien et anglais, mais nous saurons dépasser les barrières linguistiques pour lui montrer notre solidarité. Andreas s’intéresse particulièrement à la philosophie et aux motos, il apprécie également les énigmes.

Nous mettrons également à disposition une boîte à dons pour Andreas. L’argent récolté lui sera envoyé pour l’aider à payer ses médicaments, ses examens médicaux et de la nourriture appropriée.

Si tu ne peux pas venir ce dimanche mais que tu souhaites soutenir Andreas, va faire un tour sur notre article. Tu y trouveras sûrement de quoi faire.

Chaque mort en prison est un meurtre, chaque tentative de suicide en prison est une tentative de meurtre ! Solidarité avec Andreas et avec tou.tes les détenu.es de tou.tes les prisons !

Notes
 

[1] Lieu d’enfermement des personnes prévenues (en attente de leur jugement et mise en « détention provisoire ») et des personnes condamnées à une peine inférieure ou égale à 2 ans. Les maisons d’arrêt regroupent la majorité de la population carcérale (plus de 67 %) avec un taux moyen d’occupation de 140% (au 1er janvier 2019). Bois d’Arcy, Fleury-Mérogis, Fresnes, Nanterre, Osny-Pontoise, Versailles et Villepinte sont des maisons d’arrêt.

[2] Ces établissements regroupent les maisons centrales et les centres de détention. On y enferme les personnes condamnées à des peines supérieures à 2 ans. Les maisons centrales enferment les détenu.es jugé.es « difficilement récupérables » pour l’État. Les dispositifs de sécurité y sont les plus renforcés. Poissy est une maison centrale. Les centres de détention enferment les détenu.es jugé.es « récupérables » pour l’État. Ces établissements sont « orientés vers la resocialisation ». Melun est un centre de détention.

Décembre 2019 (Français)

Cette fois, c’est Andreas. Une tentative de suicide derrière les barreaux.

 

Nous avons appris aujourd’hui qu’Andreas a fait une tentative de suicide, et cela ne nous surprend malheureusement pas. L’état dans lequel il se trouve est effrayant et le chemin qu’il suit est long et plein de souffrances. D’un côté, à cause des murs qui l’entourent, et de l’autre, c’est son état de santé qui lui rend la vie impossible. Il n’a survécu à sa tentative de suicide que de peu. C’est pourquoi nous souhaitons lancer ici, tant que c’est encore possible, un large appel à solidarité !

Andreas Krebs, qui est en prison à Naples, doit aller d’urgence à l’hôpital – or cela lui est refusé. Son avocat met la pression sur place. Mais toi aussi, tu dois passer à l’action, où que tu sois. Il s’agit concrétement de la survie d’Andreas. Tu peux faire un don d’argent ou, de quelque façon que ce soit, attirer l’attention sur le cas d’Andreas. Au mieux, commence dès cette nuit à arracher les murs des prisons qui tuent nos ami.es. Pour ce faire, il y a des milliers de méthodes. Trouve-t’en une, réunis-toi avec des ami.es et passe à l’action. Un geste simple que tu pourrais faire, même s’il ne fait pas trembler les murs des prisons mais est recommandé par l’avocat d’Andreas, c’est, demain matin, après t’être brossé les dents, d’énerver le gouvernement allemand sur place, de sorte à ce qu’ils se bougent le cul (même si cela nous paraît improbable).

Herr Besken (Ambassadeur) : 0039649213285

L’état d’Andreas est vraiment critique. Un cancer des reins lui a été diagnostiqué, et il souffre à présent de rétention d’eau, ce qui indique une insuffisance rénale totale. Il doit payer lui-même les médicaments qui lui sont nécessaires, les diagnostiques officiels et de la nourriture qui soit à peu près consommable. Si vous pouvez lui virer de l’argent:

Bénéficiaire : Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Objet: Spende/Andreas Krebs

Son adresse pour lui écrire (pensez à mettre un expéditeur !)
Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italie