21. Januar 2013

Neuer Brief von Andreas Krebs zu seinem Hungerstreik

Amberg, 21.1.13

Hallo Soliwerkstatt!

Zuerst möchte ich mich bei euch allen für diese große Anteilnahme bedanken.
Nun will ich euch berichten, wie es mir in den letzten Tagen ergangen ist.
Ich wurde während meines Hs ins Spital verlegt, wo ich ein paar persönliche Dinge mitnehmen durfte. Es war eine saubere Zelle mit abgetrennten Klo, einem alten Krankenbett und heißes Wasser aus der Leitung. Im großen und ganzen gab es nichts daran auszusetzen und man bot mir Mittags und Abends Essen an, was ich natürlich neun Tage konsequent ablehnte. Getrunken habe ich am Tag ca. zwei Tassen Wasser aus der Leitung, mehr ging nicht rein. Fast täglich wurde der Blutdruck gemessen und es kam immer wieder die Frage, wie lange ich das machen wolle. So lange, wie eben nötig, meinte ich. Fast täglich wurde mir Post einbehalten, die ich nicht zu Gesicht bekommen habe, mit immer den gleichen Begründungen:
Gefährdet die Sicherheit und Ordnung
Kein Gedankenaustausch
Grobe Beleidigung
Beeinflussung des Inhaftierten
Nichts von all diesen Gründen konnte ich nachvollziehen. Selbst Post von mir (Hauspost) an andere Kollegen wurde einbehalten und zum Teil kopiert. Einige Briefe von anderen Gefangenen vermisse ich bis heute und wundert mich ehrlich gesagt auch nicht mehr.
Regelmäßig kam ein Schichtdienstleiter zu mir, erfragte, wie es mir geht und so weiter. Natürlich erklärte ich jedes Mal auf’s Neue, was meine Beweggründe sind und das ich nicht mehr alles so hinnehmen kann. Auch ein Sozialdienst suchte mich auf, doch letztendlich bestehen die Probleme immer noch.
In der Hoffnung, dass ich meine Post die einbehalten wurde u.a., mir ausgehändigt wird, unterbrach ich schriftlich meinen Hs und wurde geschwächt (Flüssigkeitsmangel) zurück in die Saalgemeinschaft verlegt. Am gleichen Tag gegen Abend wurde mir dann die nächste Anhalteverfügung mitgeteilt und ich dachte wirklich ich spinne. Mein Zellenkollege fragte mich, ob ich seinen Brief erhalten habe und ich fragte welcher Brief. Gott weiß wo dieser gelandet ist. Heute morgen schickte ich einen weiteren Brief an die Anstaltsleitung mit der Ankündigung, dass ich den Hs sofort wieder aufnehme, sollte dies nicht aufhören.
Stunden darauf wollte mich die Abteilungsleiterin sprechen und ich verweigerte die Vorführung. Gegen Mittag kam dann der Hausdienstleiter und teilte mir schon wieder mit, dass ein Brief angehalten wurde. Anscheinend möchte man unbedingt vermeiden, dass ich Solidaritätsschreiben u.a. bekomme und behält so gut wie jede Postsendung ein. Letztendlich sieht es so aus, die ganz Oben interessiert es einen Scheiß, ob du einen Hs machst oder nicht. Die „Kleinen“ sollen sich um die Sache kümmern, so ist es mir vorgekommen. Meines Erachtens war alles eine Hinhaltetaktik und ich bin nun genauso schlau wie vorher. Es gab zwar interne Zusagen bzw. Entgegenkommen, was allerdings nichts an der immer noch bestehenden Situation ändert. Heute bekam ich einen sehr netten Brief aus München, in dem gefragt wurde, ob ich denn alleine bin. Ja, leider, und mein Protest richtet sich mittlerweile auch gegen diese Unterbringung. Diesbezüglich wurde ich ebenfalls auf einen Monat vertröstet, was einfach nicht hinzunehmen ist. Auch hier muss ich wieder sehr vorsichtig sein, was und wie ich etwas schreibe, da ich immer befürchten muss, dass ein Brief von mir die Anstalt nicht verlässt. Es hört auf jeden Fall nicht auf und ich gebe nicht nach. Der Hs wird fortgesetzt und ich gehe davon aus, das ich wieder von anderen weg komme.
Ich hoffe weiterhin auf Anteilnahme, die mir Kraft und Energie gibt weiter zu kämpfen. Aber bitte vergesst nicht, dass es sein kann, das mich so manche Post gar nicht erreicht und einfach einbehalten wird, was bei mir tagtäglich praktiziert wird. Gerne würde ich das ein oder andere noch schreiben und euch mitteilen, aber wie gesagt, meine Post würde die Anstalt wahrscheinlich nicht verlassen und ich bin mir so ziemlich sicher, dass meine Briefe gesondert und ganz genau Kontrolliert werden. Drückt mir weiterhin die Daumen. Danke und macht weiter so!

Ps: man ist alles andere als erfreut, dass mein Brief im Internet steht:-)

10. Januar 2013

Solidarität !

 

Hallo liebe Leser*innen,

wie wir eben erfahren haben, befindet sich der Gefangene Andreas K. (Brief unter Gefangenenpost) aktuell erneut im Hungerstreik, da wiederholt seine Post zurückgehalten wurde. Was das für einen Menschen mit so geringen Kontakt- und Komunikationsmöglichkeiten wie Andreas bedeutet, dürfte Jeder_Jedem klar sein. Daher rufen wir hiermit erneut dazu auf Andreas zu schreiben und auf jedliche andere sinnvolle Art und Weise Solidarität zu üben.

Lassen wir Die Gefangenen nicht alleine!

Die Isolation durchbrechen!

Gegen Knast, Staat und jede Autorität!

Andreas Krebs
c/o JVA
Werner von Siemensstraße 2
92224 Amberg