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1. Juli 2019

Solidarität mit Andreas Krebs – Eine Zusammenfassung (Stand Juli 2019)

 

Unseren Freund und Gefährte Andreas ist zur Zeit in Neapel (Italien) inhaftiert. Andreas ist seit seiner Haft in Deutschland als rebellischer Gefangener bekannt. Im April 2019 wurde er in Italien zu 24 Jahren Knast verurteilt. Andreas hat darüber hinaus vor kurzem Nierenkrebs diagnostiziert bekommen. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich laufend und wir fürchten um sein Leben. Eigentlich müsste er schon vor Monaten operiert werden, doch die italienischen Behörden weigern sich, ihn in ein Krankenhaus zu überstellen.

Andreas war jahrelang in den Fängen der deutschen Justiz und saß insgesamt über 16 Jahre im Knast. Er ist ein rebellischer Gefangener, baute hinter Gittern die Gefangenengewerkschaft (GGBO) mit auf, führte diverse Hungerstreiks gegen die Knastbedingungen und beteiligte sich auch an einem Solidaritätshungerstreik für die Gefangenen in Griechenland. Bis heute veröffentlicht er immer wieder Texte gegen die Knastgesellschaft, in denen er den Alltag in Gefangenschaft beschreibt.

Im Herbst 2014 nach seiner Entlassung lernte er seine jetzige Frau Jutta kennen. Beide entschieden sich einen ruhigen Lebensabend im Süden Italiens verbringen zu wollen. Ende Dezember 2016 kam es zu einer Auseinandersetzung mit seinem damaligen Arbeitgeber. Dieser ging auf Andreas los und würgte ihn. Andreas stach in Notwehr mit einem Taschenmesser zu. Das Opfer starb leider unter ungeklärten Umständen drei Tage später im Krankenhaus, obwohl es kurz nach der Tat noch hieß, dass er überleben würde.

Was darauf folgte, war eine beispiellose Hetzjagd gegen Andreas und Jutta. Via Facebook bekam Jutta Morddrohungen, während er im Gefängnis Santa Maria Capua Vetere von den Familienmitgliedern des Verstorbenen, die nach wie vor in diesem Knast arbeiten, misshandelt und gefoltert wurde. Da das Überwachungsvideo Andreas‘ Aussage bestätigte, sich verteidigt zu haben, kam er nach einigen Tagen in Untersuchungshaft in den Hausarrest. Dort waren sie ständigen „Besuchen“ der Polizei und dem Hass aus großen Teilen der Bevölkerung ausgesetzt. Die Familie des Opfers belagerte deren Wohnung, so dass Andreas und Jutta wochenlang nicht außer Haus gehen konnten. Schließlich sahen sie sich gezwungen zu fliehen und gingen zurück nach Deutschland. Dort wurde Andreas nicht einmal ein halbes Jahr später aufgrund eines europäischen Haftbefehls mit Hilfe der Antiterroreinheit der deutschen Polizei festgenommen. So befand sich Andreas im September 2017 wieder im deutschen Knast.

Im Dezember 2017 wurde er dann völlig unerwartet unter Beteiligung vermummter Cops einer weiteren polizeilichen Anti-Terror-Abteilung in die JVA Burg verlegt. Andreas berichtete immer wieder in Briefen von den untragbaren Bedingungen in den Knästen Volkstädt und Burg. Im April 2018 wurde Andreas schließlich vollkommen überstürzt nach Berlin Moabit in Auslieferungshaft überstellt, um schließlich im Mai 2018 als deutscher Staatsbürger nach Italien ausgeliefert zu werden.

Andreas befindet sich seitdem im Secondigliano, eines der größten Hochsicherheitsgefängnisse Neapels. Dort wurde seit 30. Mai 2018 der Prozess gegen ihn geführt. Im November 2018 fanden einige Prozesstage statt, an denen auch Andreas Frau Jutta vor Ort war. Im Gerichtssaal versuchten die Verwandten des Opfers auf Jutta loszugehen und bedrohten sie erneut massiv.

Am 1. April 2019 endete das Verfahren in erster Instanz mit einem Urteil wegen vorsätzlichem Mord von 24 Jahren Haft. Andreas war vor der Auslieferung bereits körperlich und psychisch sichtbar gezeichnet durch die Haftbedingungen in den Knästen Volkstedt, Burg und zuletzt in Berlin-Moabit. Andreas’ kritischer Gesundheitszustand wurde systematisch ignoriert und verleugnet. Medikamente sowie klinische Untersuchungen und Operationen wurden ihm wiederholt verweigert. Zusätzlich waren seine Haftbedingungen verschärft, da ihm die deutsche Polizei ein Naheverhältnis zu (ehemaligen) RAF-Mitgliedern andichtet.

In Italien hat sich Andreas Gesundheitszustand keineswegs verbessert. Im Gegenteil: Andreas wurde vor einiger Zeit Nierenkrebs diagnostiziert. In den letzten Wochen stand er vor einem akuten Nierenversagen. Er leidet unter sehr heftigen Wassereinlagerungen im ganzen Körper, vor allem an den Beinen und kann zeitweise deswegen nicht mehr gehen. Eine Überstellung in ein Krankenhaus und eine seit Monaten notwendige und auch von der Justizanstalt zugesicherte Operation wird ihm nach wie vor verweigert. Andreas ist wie eh und je aufmüpfig, setzt sich für andere Gefangenen ein und berichtet immer wieder vom gewalttätigen Alltag im Secondigliano, der Willkür durch die Wärter, die Verwahrlosung und Unterversorgung aller Gefangenen und den Rassismus gegen afrikanische Mitgefangene.

Andreas freut sich über Unterstützung jeder Art!

Er muss für Medikamente und halbwegs brauchbare Lebensmittel selber aufkommen.

Wenn ihr Geld zu spenden wollt:

Empfänger: Krebs

IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26

BIC: BELADE BEXXX

Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

Schreibt Andreas in den Knast, er freut sich über jede kleine Postkarte. Auch könnt ihr Bücher, Zeitungen, Zeitschriften oder buntes Papier schicken, es kommt alles an. Er interessiert sich sehr für Motorräder und philosophische Fragen.

Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italy

Wenn ihr auch mehr über andere Gefangene erfahren wollt, dann schaut auch mal auf www.abc-wien.net nach!

Zeigen wir Andreas, dass er nicht vergessen ist. Soli-Aktionen jeder Art sind willkommen!

Freiheit für alle Gefangenen! Nieder mit allen Knästen!

Freiheit und Glück für Andreas Krebs!

Solidarietà con Andreas Krebs – Un riassunto (Situazione fino a luglio 2019)

il testo seguente è anche pubblicato in tedesco e inglese!

Il nostro amico e compagno Andreas è attualmente detenuto a Napoli. Dal momento della sua detenzione in Germania, Andreas fu conosciuto come un prigioniero ribelle. Nell’aprile 2019 fu condannato in Italia a 24 anni di carcere. Inoltre, a Andreas fu recentemente diagnosticato un tumore al rene. La sua salute si sta deteriorando e temiamo per la sua vita. In fondo, dovrebbe subire un intervento chirurgico già qualche mese fa, ma le autorità italiane si rifiutano di trasferirlo in ospedale.

Andreas era rimasto per anni nelle macchine giudiziarie tedesche ed era stato in prigione per un totale di 16 anni. È un prigioniero ribelle, ha partecipato alla costruzione del sindacato dei prigionieri (GGBO) dietro le sbarre, fece scioperi della fame diverse volte contro le condizioni carcerarie e anche partecipò a uno sciopero della fame di solidarietà per i prigionieri in Grecia. Ad oggi pubblica ripetutamente testi contro la società carceraria, in cui descrive la vita quotidiana in cattività.

Nell’autunno 2014, dopo la sua liberazione, incontrò la sua attuale moglie Jutta. Entrambi decisero di trascorrere un tranquillo ritiro nel sud Italia. Alla fine di dicembre 2016 c’è stata una disputa con il suo ex datore di lavoro, che attaccò e strangolò Andreas. Andreas lo piantò per autodifesa con un temperino. Purtroppo, la vittima morì in ospedale tre giorni dopo in circostanze misteriose, sebbene sia stato detto poco dopo l’atto che sarebbe sopravvissuto.

Ciò che seguì fu una caccia senza precedenti contro Andreas e Jutta. Jutta ricevve minacce di morte tramite Facebook mentre nella prigione di Santa Maria Capua Vetere Andreas fu maltrattato e torturato dai familiari del defunto, che stanno ancora lavorando in quella prigione. Perché il video di sorveglianza confermó la dichiarazione di Andreas di essersi difeso, venne dopo diversi giorni in custodia agli arresti domiciliari. Lì erano esposti a continue “visite” da parte della polizia e odio da parte di gran parte della popolazione. La famiglia della vittima assediava la loro casa, così che Andreas e Jutta non potevano uscire per settimane. Alla fine si sentirono costretti a fuggire e tornarono in Germania. Lì, Andreas fu arrestato meno di sei mesi dopo sulla base di un mandato di arresto europeo con l’aiuto dell’unità antiterrorismo della polizia tedesca. Andreas era di nuovo in prigione a settembre 2017.

Nel dicembre 2017, fu poi completamente inaspettatamente trasferito nel carcere di Burg con la partecipazione di poliziotti mascherati di una altra squadra di polizia anti-terrorismo. Andreas ha ripetutamente scritto in lettere sulle condizioni intollerabili nelle prigioni di Volkstädt e Burg. Nell’aprile 2018, Andreas fu finalmente totalmente sopraffatto consegnato alla custodia per l’estradizione nel carcere di Moabit a Berlino, per essere infine consegnato a maggio 2018 come cittadino tedesco in Italia.

Da allora Andreas è nel carcere di Secondigliano, una delle più grandi prigioni di alta sicurezza a Napoli (Open Street Map). Dal 30 maggio 2018 il processo contro di lui fu condotto lì. Nel novembre 2018 si sono svolte alcune date di udienza, alle quali ha partecipato anche la moglie di Andreas. In tribunale, i parenti della vittima cercavano di aggredire Jutta e la minacciavano di nuovo in modo massiccio.

Il 1° aprile 2019, il processo si è concluso in prima istanza con una sentenza di omicidio intenzionale di 24 anni di reclusione. Andreas era già visibilmente fisicamente e mentalmente segnato dalle condizioni di detenzione nelle carceri di Volkstedt, Burg e, più recentemente, a Berlino-Moabit. Lo stato critico di salute di Andreas fu sistematicamente ignorato e negato. Ha ripetutamente rifiutato i farmaci, le indagini cliniche e le operazioni. Inoltre, le sue condizioni di detenzione aggravavano, dal momento che la polizia tedesca fa finta di avere uno stretto rapporto con gli ex membri della RAF.

In Italia, la salute di Andreas non è migliorata affatto. Al contrario: a Andreas fu recentemente diagnosticato un tumore al rene. Nelle ultime settimane ha dovuto far fronte a insufficienza renale acuta. Soffre di ritenzione idrica molto pesante in tutto il corpo, specialmente nelle gambe e, a volte, non riesce più a camminare. Gli viene comunque rifiutato un trasferimento in ospedale e un’operazione, necessari per mesi e promessi anche dalla direzione della prigione. Andreas è ribelle come al solito, è impegnato con altri detenuti e riferisce ripetutamente sulla violenta vita quotidiana nel carcere di Secondigliano, l’arbitrarietà delle guardie, l’incuria e la fornitura insufficiente di tutti i prigionieri e il razzismo contro i prigionieri africani.

Andreas è felice per il supporto di ogni tipo!
Per la medicina e il cibo ragionevolmente edibile deve pagare se stesso.
Se vuoi offrire denaro:

Ricevente:   Krebs
IBAN:        DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC:         BELADE BEXXX
Causale:     Spende/Andreas Krebs

Scrivi Andreas in carcere, è contento di ogni piccola cartolina. Puoi anche inviare libri, giornali, riviste o carta colorata, tutto questo verrà fuori. È molto interessato alle motociclette e ai soggetti filosofici.

Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italy

Se vuoi sapere di più su Andreas, allora vai a
https://andreaskrebs.blackblogs.org/
(in tedesco)

Chiama numerosi all’ambasciata tedesca in Italia e chiedi assistenza medica al prigioniero Andreas Krebs! Qualcos’altro è un fallimento nel fornire assistenza!

Sr. Besken (ambasciatore) +39649213285

Mostriamo ad Andreas che non è dimenticato. Azioni di solidarietà di qualsiasi tipo sono benvenute!

Libertà per tutti i prigionieri! Abbasso tutte le prigioni!
Libertà e fortuna per Andreas Krebs!

July 2019 in English

Our friend and companion Andreas is currently imprisoned in Naples (Italy). Since his imprisonment in Germany Andreas has been known as a rebellious prisoner. In April 2019 he was sentenced in Italy to 24 years in jail. In addition, Andreas has recently been diagnosed with kidney cancer. His health is deteriorating and we fear for his life. Actually, he should undergo surgery months ago, but the Italian authorities refuse to transfer him to a hospital.

Andreas was in the clutches of the German judicial machinery for years and he was in jail for a total of 16 years. He is a rebellious prisoner, participated in building the prisoners’ union (GGBO) behind bars, he went on hunger strike several times against the prison conditions and also participated in a solidarity hunger strike for the prisoners in Greece. To date he repeatedly publishes texts against the prison society, in which he describes everyday life in captivity.

In autumn 2014, after his release, he met his current wife Jutta. Both decided to spend a quiet retirement in the south of Italy. At the end of December 2016 there was a dispute with his former employer, who attacked Andreas and strangled him. Andreas stabbed him in self-defense with a penknife. Sadly, the victim died in the hospital three days later under mysterious circumstances, although it was said shortly after the act that he would survive.

What followed was an unprecedented hunt against Andreas and Jutta. Jutta received death threats via Facebook while in the Santa Maria Capua Vetere prison he was maltreated and tortured by the family members of the deceased, who are still working in that jail. Since the surveillance video confirmed Andreas’ statement to have defended himself, he came after several days in custody in house arrest. There they were exposed to constant “visits” by the police and hatred from large parts of the population. The family of the victim besieged their home, so that Andreas and Jutta could not go out for weeks. Finally, they felt forced to flee and went back to Germany. There, Andreas was arrested less than half a year later on the basis of a European arrest warrant with the help of the anti-terror unit of the German police. Andreas was back in jail in September 2017.

In December 2017, he was then completely unexpectedly relocated to the jail in Burg with the participation of masked cops of another anti-terrorist police unit. Andreas repeatedly wrote in letters about the intolerable conditions in the jails in Volkstädt and Burg. In April 2018, Andreas was finally totally overhasty handed over to extradition custody in the jail in Berlin Moabit, finally to be delivered in May 2018 as a German citizen to Italy.

Andreas is since then in the prison of Secondigliano, one of the largest high security prisons in Naples (Open Street Map). Since May 30, 2018 the trial against him was conducted there. In November 2018, some hearing dates took place, which Andreas’ wife Jutta also attended. In the courtroom, the relatives of the victim tried to assault Jutta and threatened her again massively.

On April 1st, 2019, the trial ended in the first instance with a sentence of intentional murder of 24 years imprisonment. Andreas was already visibly physically and mentally marked by the conditions of detention in the jails of Volkstedt, Burg and most recently in Berlin-Moabit. Andreas’ critical state of health was systematically ignored and denied. He was repeatedly refused medication, clinical investigations and operations. In addition, his detention conditions were aggravated, since the German police pretends that he has a close relationship to (former) RAF members.

In Italy, Andreas’s health has improved by no means. On the contrary: Andreas was recently diagnosed with kidney cancer. In recent weeks he had to cope with acute kidney failure. He suffers from very heavy water retention throughout his body, especially in his legs and at times he can not walk anymore. He is still refused a transfer to a hospital and an operation, necessary for months and also promised by the prison management. Andreas is rebellious as usual, is committed to other prisoners and reports repeatedly about the violent everyday life in the jail of Secondigliano, the arbitrariness of the guards, the neglect and undersupply of all prisoners and the racism against African fellow prisoners.

Andreas is happy about support of every kind!

For medicine and reasonably edible food he has to pay himself.

If you want to donate money:

Payee: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Reference: Spende/Andreas Krebs

Write Andreas in jail, he is happy about every little postcard. You also can send books, newspapers, magazines or colorful paper, it all will come through. He is very interested in motorcycles and philosophical issues.

Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italy

If you want to know more about Andreas, then also visit www.abc-wien.net

Call numerously in the German embassy in Italy and demand medical care for the prisoner Andreas Krebs! Anything else is a failure to render assistance!

Mr. Besken (Ambassador) +39649213285

Let us show to Andreas that he is not forgotten. Solidarity actions of any kind are welcome!

Freedom for all prisoners! Down with all the prisons!
Freedom and luck for Andreas Krebs!

4. Juni 2016

Dringender Solidaritätsaufruf!

Andreas Krebs, der in Neapel im Knast ist, muss seit Januar dringend ins Krankenhaus, was ihm aber weiter verweigert wird. sein Anwalt macht dort Druck und bittet uns aber, auch die deutsche Regierung zu nerven. deshalb ruft zahlreich in der deutschen Botschaft dort an und fordert medizinische Versorgung für den gefangenen Andreas Krebs! alles andere ist unterlassene Hilfeleistung.

Herr Besken (Botschafter) 0039649213285

Andreas zustand ist sehr kritisch. ihm wurde Nierenkrebs diagnostiziert, jetzt leidet er unter Wasseransammlungen im Körper, was auf Nierenversagen hindeutet.
Eigentlich mag es nicht unsere Art sein, die regierenden um etwas zu bitten, aber es geht hier um Andreas Leben und im Moment gibt es kein anderes Druckmittel.
Seine Adresse: Andreas Krebs
Sez.4 /Stz.5 Via Roma Verso Sacampia 250 80144 Napoli

ABC Wien

18. Juni 2019

Update zur Situation von Andreas Krebs in Neapel (Juni 2019)

 

Andreas geht es nach wie vor sehr schlecht. Seit einigen Tagen verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmend. Ihm wurde mittlerweile Nierenkrebs diagnostiziert und er leidet unter Wasseransammlungen im Körper, was auf Nierenversagen hindeutet. Einen Aufruf zur Unterstützung könnt ihr hier finden. Andreas war zwar vor einigen Tagen auf der Krankenstation, aber die Knastleitung macht immer noch keine Anstalten, ihn in ein Krankenhaus verlegen zu lassen. Sie argumentieren damit, dass er auf den Weg ins Krankenhaus von irgendjemanden befreit werden könnte. Das und seine verschärften Haftbedingungen hat ihm das Märchen des deutschen BKA über seine angeblichen RAF-Kontakte eingebrockt. Die italienischen Behörden schlachten dies nun auch bei jeder Gelegenheit aus.

Mittlerweile gibt es auch sehr konkrete Hinweise im Autopsiebericht, dass Massimo‘s Todesursache nicht von Andreas Messerstich herrührt, sondern aufgrund einer schlecht ausgeführten Lungendrainage im Krankenhaus. Dabei wurde dem Opfer ins Herz gestochen, was erst nach Tagen im Krankenhaus zum Tod geführt hat.

In der letzten Zeit erreichten uns wieder einige Briefe von Andreas aus dem Knast in Neapel. Hier nun eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.

1. Andreas Anwalt hat Berufung eingelegt. Bis zur nächsten Instanz kann es aber noch länger dauern. Andreas und sein Anwalt rechnen aber damit, dass die nächste Instanz frei spricht. Die Stimmung bei Andreas und seinem Anwalt ist diesbezüglich auf jeden Fall kämpferisch. Mittlerweile ist die Urteilsbegründung beim Anwalt angekommen. Dem von Andreas Anwalt engagierten Sachverständigen für die Videoauswertung wird nicht geglaubt, und das gesamte Urteil ist laut Anwalt eine einzige Farce. Der Anwalt rechnet damit, dass die nächste Instanz noch länger dauern wird als der erste Prozess.

2. Andreas wird mittlerweile von den anderen Gefangenen geachtet und auch die Schließer haben zum Teil großen Respekt vor ihm. Andreas: „Ich kämpfe wie ein Gorilla, trainiere fast täglich und die Beamten haben mittlerweile richtig Respekt. Es hat sich herumgesprochen, dass ich sehr viele Menschen hinter mir habe und sehr viel von mir veröffentlicht wird. Das alles gibt mir Kraft und alle Gefangenen haben großen Respekt davor.“

Mittlerweile ist Andreas wieder auf eine andere Station verlegt worden, in der er sich relativ frei bewegen kann, und in der die Gefangenen einen respektvolleren Umgang miteinander pflegen.

3. Andreas wartet noch immer auf den OP-Termin, und aus fadenscheinigen Gründen sagt man weder seinem Anwalt noch ihm, wann der Termin sein wird. Andreas hat täglich heftigste Schmerzen im ganzen Körper. Die unzureichende und falsche Medikation bringt schon lange nichts mehr.

4. Andreas berichtet in seinen Briefen immer wieder über die unerträglichen Zustände und die Willkür im Knast. Ein Beamter sagte zu ihm: „Hier kommandieren wir, und wir können einen auch zusammenschlagen oder umbringen!“ Fast jede Woche kommt es zu Suizidversuchen und Gewalt gegen die Häftlinge. Andreas: „Ist es denn normal, dass sich Leute hier täglich aufschlitzen, erhängen und die Beamten nichts machen?“ Andreas konfrontiert auch oft Beamte mit dieser Situation, und erfährt dann von ihnen, dass „sie vor allem Angst haben sich mit Krankheiten anzustecken“. Die Gefangenen bekommen auch auf Nachfrage keine Medikamente, erst nach Selbstmordversuchen gibt es Beruhigungsmittel.

5. Die Kommunikation aus dem Knast nach draußen gestaltet sich immer wieder schwierig. Nicht nur, dass Andreas Briefe mitunter 4 Wochen brauchen, um bei uns anzukommen. Vor kurzem war auch das Telefon kaputt und die Anstaltsleitung weigerte sich, dieses reparieren zu lassen.

Briefe von draußen zu ihm kommen aber ohne Zensur durch und es ist auch möglich, ihm Bastelsachen, Papier, Zeitungen, Zeitschriften oder ganze Bücher zu schicken.

6. Andreas setzt sich im Knast immer wieder für andere Gefangene ein. Er schreibt Anträge und Beschwerden und engagiert sich für andere nicht italienische Gefangene, die immer wieder rassistisch beleidigt und angegriffen werden.

Andreas lässt immer wieder alle Leute, die ihn kennen und unterstützen grüßen! Ihr könnt ihm unter folgender Adresse schreiben:

Andreas Krebs
Sez. 1 Stz. 6
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA)
Italy

04. April 2019

Am 1. April wurde  das Urteil im letzeten Prozesstag, in der ersten Gerichtsinstanz, verkündet: 24 Jahre haft für Andreas so wie die Staatsanwaltschaft es gefordert hat.

 

Gerade jetzt ist es wichtig das ihr euere Solidarität mit Andreas zeigt.

Also schreibt ihm:

Krebs Andreas

st. 13 Sez.6

Via Roma Verso Scampia 250

Mediterraneo

CAP 80144 (NA)

-ITALY-

31. März 2019

Andreas Krebs muss raus aus dem Knast

Diese Sendung ist unserem Freund Andreas Krebs gewidmet, ein rebellischer Gefangener und ehemaliger Langzeitgefangener, der aktuell seit Sommer 2018 in einem Knast in Neapel sitzt. In den letzten Wochen haben wieder mehrere Verhandlungstage im Prozess gegen Andreas stattgefunden, wobei er aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes nicht an allen Verhandlungstagen teilnehmen konnte. Andreas befindet sich nach wie vor im Hungerstreik. Auf keine seiner Forderungen betreffend einer adäquaten medizinischen Versorgung wurde bisher eingegangen. Andreas gesundheitlicher Zustand hat sich in den letzten Monaten immer weiter verschlechtert. Wir fürchten nach wie vor sehr um sein Leben, denn es geht ihm jeden Tag schlechter.

Die Anklage hatte zur Klärung des Todes von Massimo N., Andreas ehemaligen Arbeitgeber, einen Videogutachter engagiert, um die Aufnahmen der Überwachungskameras zu analysieren. Auch Andreas Verteidiger hat einen solchen Sachverständigen, um das Videomaterial zu begutachten. Am Montag, den 1. April, soll nun das Urteil verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft fordert 24 Jahre für Andreas wegen Mord, Andreas Anwalt plädiert auf Selbstverteidigung, da er massiv von seinem Exchef angegriffen wurde. In den italienischen Medien werden unterdessen weiterhin Gerüchte verbreitet, um Andreas als Mörder zu diskreditieren. Außerdem soll die Staatsanwaltschaft in Deutschland nach Italien einen Bericht geschickt haben, worin Andreas als „gefährlicher linker Terrorist“ bezeichnet wird.

In der Sendung geht es um die Hintergründe seiner Verhaftung, seine politischen Positionen, den Hungerstreik und den Prozess sowie um die Zustände im italienischen Justiz- und Knastsystem. Außerdem hört ihr einen kurzen Beitrag von der Soli-Kundgebung für ihn in Berlin vom Februar und einen Ausschnitt aus einer Veranstaltung zur Gefangenengewerkschaft von 2015, bei der Andreas als Vortragender mitwirkte. Herzstück der Sendung sind vergangene und aktuelle Briefe von Andreas, aus denen wir vorlesen.

(Quelle: Radio Wien)

30. März 2019

Infos zur aktuellen Situation von Andreas Krebs aus dem Knast in Neapel (März 2019)

 

In den letzten Wochen haben mehrere Verhandlungstage im Prozess gegen Andreas Krebs in Neapel stattgefunden, wobei Andreas aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes nicht an allen Verhandlungstagen teilnehmen konnte. Andreas befindet sich nach wie vor im Hungerstreik. Auf keine seiner Forderungen wurde bisher eingegangen. Die Anklage hatte zur Klärung des Todes von Massimo N., Andreas ehemaligen Arbeitgeber, einen Videogutachter engagiert, um die Aufnahmen der Überwachungskameras zu analysieren. Auch Andreas Verteidiger hat einen solchen Sachverständigen, um das Videomaterial zu begutachten. Am Montag, den 1. April, soll nun das Urteil verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft fordert 24 Jahre für Andreas. In den italienischen Medien werden unterdessen Geschichten verbreitet, um Andreas weiter zu diskreditieren. Außerdem soll die Staatsanwaltschaft in Deutschland nach Italien einen Bericht geschickt haben, worin Andreas als „gefährlicher linker Terrorist“ bezeichnet wird. (Beispielsweise wurde Andreas von den deutschen Behörden bereits vor seiner Auslieferung nach Italien vorgeworfen, Verbindungen zu ehemaligen Mitgliedern der RAF, nach denen nach wie vor gefahndet wird, zu haben etc.) Andreas gesundheitlicher Zustand hat sich in den letzten Monaten immer weiter verschlechtert. Eine notwendige, adäquate Untersuchung wurde im bisher verweigert bzw. immer wieder hinausgeschoben. Wir fürchten nach wie vor sehr um sein Leben, denn es geht ihm jeden Tag schlechter.

Wir veröffentlichen hier Auszüge aus dem letzten Brief, den Andreas uns geschickt hat. Er berichtet über die Verhältnisse im Knast in Neapel, über seinen Gesundheitszustand und den Hungerstreik. Außerdem teilt Andreas hier ein paar persönliche Erfahrungen und Erinnerungen. Wir sind in Gedanken bei Andreas und hoffen, dass er entgegen allen Erwartungen und Befürchtungen bald wieder draußen ist.

[…] Heute ist der zehnte Tag an dem ich nichts mehr esse und ab heute beschränkt sich mein Trinken auch nur noch auf einen halben Becher 0,2 l Wasser.

Ich weiß natürlich nicht, wohin das mich führt, aber ich bleibe bei meinem Standpunkt und einer kompletten Verbesserung meiner Haftbedingungen. Leider sind alle Personen, die laut geschrieen haben dass sie sich an meinem HS beteiligen, umgefallen.

Keiner hatte das Rückgrad und keiner hielt es nur einen Tag ohne Essen aus!

Leider ist es so, dass ich unter den Gefangenen keine einzige Solidarität erlebe und niemand steht mir zur Seite hier drinnen! Gestern war ich wieder kurz bei der Ärztin, die mir erklärte, dass weiterhin Blut in meinen Nieren ist, und sie sehr besorgt ist. Darum veranlasste sie auch, dass ich ins Krankenhaus muss, und das war vor über zwei Wochen. Nichts ist passiert.

Gestern hätte ich nach über zwei Monaten zum Zahnarzt kommen sollen, aber das war gestern und ich warte noch immer! Bin nur vollgepumpt mit 400mg Tramadol und zig anderen Sachen. Das zum Thema ärztliche Versorgung! Ich zittere am ganzen Körper, mein Kreislauf spielt verrückt und seit gestern kann ich auch wieder mal nicht richtig laufen!

Jeder sieht den körperlichen Verfall oder das ich nicht richtig laufen kann, aber keiner reagiert oder macht etwas dagegen! Selbst ein Sani sagte zu mir auf mein Nachfragen, was das alles soll, „ach Andreas, was soll ich dir dazu noch sagen.“ Er weiß um meinen Zustand und kann nichts tun.

Vor einigen Tagen war ich nach unzähligen Anträgen und Briefen endlich bei der Anstaltsleiterin im Beisein des Inspektors. Ich wurde gefragt, was ich möchte und ich zählte alles auf. Sie meinte, dass man sich um alles kümmern wolle, und auch will man versuchen mir deutsche Bücher vom Goethe Institut hier in Neapel zu besorgen. Ich soll doch bitte gleich meine Bücherwünsche aufschreiben und die Liste wird noch heute von ihrer Vertreterin abgeholt. Das war vor einigen Tagen und niemand kam zu mir! Einzig das ich heute mit meiner Frau zehn Minuten reden durfte am Telefon, gibt es sonst nichts Positives zu berichten! Zehn Minuten telefonieren und das sechs mal im Monat. Aber wer glaubt, dass es ganz reibungslos abläuft, einfach zum Hörer greifen und anrufen, der täuscht sich gewaltig! Für jedes Telefonat muss ich kämpfen und immer wenn ich anrufe, wird das Gespräch nach 2 Minuten abgebrochen, so das ich anschließend beim Pfleger im Büro stehe und wieder darum kämpfe, die noch ausstehenden Minuten mit meiner Frau telefonieren zu dürfen. Also ein Kampf von Telefonat zu Telefonat und jedes Mal ist etwas anderes!

Heute war mein Anwalt bei mir, der ebenfalls besorgt ist, weil ich ihm sagte, dass es mir nicht gut geht. Dann berichtete er mir, dass das Gericht einen Spezialisten beauftragt hat zur Bildbearbeitung von den Überwachungskameras. Da er dem Gericht genauso wenig traut, sagte er mir, dass er ebenfalls einen Spezialisten beauftragen möchte, der unsere Glaubwürdigkeit stützt. […]

So wie es gerade von meiner Gesundheit um mich steht, bin ich mir sicher, wenn sich nichts ändert, dass ich das nicht überleben werde! Ich kenne mich und wenn ich ein Ziel verfolge, dann mit allen Konsequenzen! Leider kümmert sich niemand von der Botschaft um mich! Groß die Klappe aufgerissen, als sie vor Monaten von Rom zu mir fuhren, mit Versprechungen mir Kaffee und meinen leckeren leckeren Milchreis zu besorgen, machten. Das war vor vier Monaten und ich warte noch immer auf sie aus Rom. Und von wegen wie in ihren Zeilen gestanden war, das sie auch als Beistand bei meinen Gerichtsterminen anwesend sind und mich auf Wunsch betreuen. Nichts von dem, was sie sagen oder schreiben, haben sie gemacht! Ich frage mich, für was es sie dann überhaupt gibt? Um Steuergelder auf den Kopf zu hauen und auf Vorteile bedacht sind mit ihren scheiß Diplomatenausweis?

Ich fühle mich so angepisst, dass es mich wütend und stärker für meinen HS macht. Ich frage mich so oft, was muß man im Leben noch ertragen?

Soll es das gewesen sein, man verreckt hinter Gittern? Ich glaube, die mich alle kennen, würden alle erschrecken, wenn sie mich jetzt sehen würden! Ich habe heute nach dem Anwaltsbesuch auf der Toilette leise geweint, weil mich alles sowas von fertig macht. Das hier zum Thema EU!

[…]

Natürlich ist es eine Notwendigkeit [betrifft Videogutachten], da wir dem Gericht in keinster Weise trauen und wir im Zuge dessen das Gleiche machen müssen. Ich hatte meine Schlüssel und meine Mütze in der Hand, aber das Gericht glaubt das nicht und will um jeden Preis das Gegenteil beweisen. Leider ist das Videomaterial von sehr schlechter Qualität. So dass man wichtige Szenen nicht wirklich gut erkennen kann. Naja gut, nun heißt es einfach abwarten und der nächste Termin ist der 06.03. Der vorherige Termin wurde gestrichen.

Bin psychisch ganz tief unten und körperlich ist es nicht anders! Es dreht sich alles in meinem Kopf, das ist pures Chaos. Keine Bewegung, einfach nichts. Ach was hat man mir doch alles versprochen, sogar das ich Kraftsport machen darf und so weiter, aber wirklich nichts wurde von alledem eingehalten. Auch Bücher, die sie mir besorgen wollten vom Goethe Institut Neapel und ich solle doch einen Wunschzettel schreiben, den man dann abholt. Tja das ist nun eine Woche her und gekommen ist immer noch keiner.

[…]

Habe gerade erfahren, dass man schon wieder Blut von mir abnehmen möchte morgen früh. Komisch, erst vor einer Woche ca. wurde Blut genommen. Die kommen, glaube ich, selber nicht zurecht und sind etwas überfordert. Mittlerweile ist die Ärztin aber sehr besorgt, denn ich verliere sehr schnell, super viel Gewicht und bin ständig nur müde. Naja mal weiter abwarten wie sich alles entwickelt! Kann nur hoffen das bald etwas positives passiert, sonst geht das ganze nicht gut aus!

Wieder hat einer auf meiner überwachten Station (die Anstalt sagt hierzu Observationsstation) einen HS angekündigt und schmiss sein Brot durch das Zellengitter auf den Gang. Nachdem er aber dann kurz beim Inspektor war, hat er genüsslich in seiner Zelle gefressen. Was haben die doch für ein Rückgrad!

[…]

In Poggioreale habe ich heute wieder mal erfahren, dass man einen Mitgefangenen umgebracht hat. Näheres war natürlich nicht heraus zu bekommen. Es sind nämlich drei Gefangene aus Poggioreale zu mir auf die Station gekommen. Wir sind hier insgesamt 15 Personen und die Station ist somit gerade voll. Das kann sich aber von Tag zu Tag ändern und dann werden schlagartig zehn Leute einfach verlegt. Einer ist/hat hier in Neapel seinen Lebensmittelpunkt und wurde ganz plötzlich ohne ersichtlichen Grund nach Bolzano verlegt. Man stelle sich da mal vor! Dann gibt es noch eine krass schärfere Unterbringung und das wissen die Wenigsten in anderen Ländern. Es gibt nicht nur die Unterbringung nach 41 bis, sondern noch eine viel viel schärfere Form, die 14 bis, wenn ich mich nicht täusche, heißt. Wird aber nur noch in gewissen Regionen Italiens praktiziert.

Hier in Secondigliano ist es im Vergleich zu vielen anderen Haftanstalten noch sehr human und „angenehmer“! Wenn ich bedenke, dass in Santa Maria Gefangene auch geschlagen werden, ist es hier ultra ruhig! Trotzdem bin ich immer vorsichtig! Ich bin zwar höflich, aber rede sonst so gut wie kein Wort! Die meisten Gefangenen putzen und schrubben mehrfach am Tag die Zellen, als ob sie sich gut verkaufen wollen. Schade, dass ich kein Handy habe, denn das muss man wirklich gesehen haben! Aber selbst ein Handy, wenn sie finden würden, bekommt man dafür sechs Monate Nachschlag. Auch Flucht ist strafbar. Was für ein krankes System! Das einzig Gute dass man hier einer relativ guten Führung bei sechs Monaten Haft, siebzig Tage erlassen bekommt. Aber soviel sind das nicht, wo das in Anspruch nehmen können. Denn die ticken hier im Süden doch etwas krasser und wie ich schon mal berichtete, schrecken die Leute auch innerhalb der Mauern nicht vor Mord etc. zurück!

Gerade sehe ich wie ein Gefangener ein paar auf‘s Maul bekommt von einem Beamten. Das passiert genau vor meiner Zelle und ich konnte durchs Gitter alles sehen. Vorhin ist ein Gefangener vor meinem Zellenfenster auf ein Dach geklettert und die Beamten unten riefen ständig, er soll runter kommen und es wird ihm nichts passieren. Der Gefangene sagte aber das er Angst hat vor dem Beamten und das sie ihn mit Sicherheit schlagen werden! Er kommt erst runter, wenn die Anstaltsleiterin kommt. Tja und dreißig Minuten darauf erscheint wirklich die Anstaltsleiterin und der Gefangene klettert runter und geht mit der Leiterin weg. Das konnte die halbe Anstalt beobachten.

Hier ist jeden Tag etwas los! Ich habe mittlerweile erfahren, dass ich schleunigst ins Krankenhaus muß, da man etwas entdeckt hat, eine Art Tumor im Bauchraum und meine Blutwerte alles andere als in Ordnung sind. Dazu habe ich extrem an Gewicht verloren.

Dann gibt es noch ein Ereignis, von dem ich unbedingt berichten möchte. Und zwar rief man mich endlich zum Dentist, also zum Zahnarzt und als ich den Raum betrat, traf mich der Schlag! Total dreckig und sogar die ganzen Gerätschaften wo einem in den Mund gesteckt werden, sind total versifft! Ich setzte mich auf den schon abgetragenen Behandlungsstuhl und eine komische Ärztin klopfte auf einen Zahn und sagte dann: da kann ich nichts machen und ihre Familie muss draußen einen Zahnarzt kontaktieren, der dann in die Anstalt kommt und alles richtet. Die Kosten müssen dann die Angehörigen tragen. Ich stand auf und ging. Ich wusste gar nicht mehr, was ich darauf sagen soll, sondern war einfach nur total sprachlos! Nicht genug, dass alles extrem sofort offensichtlich verdreckt ist, sondern ich muss die Behandlung selber zahlen und soll nun weiter mit Schmerzen herum laufen. Ich sag‘s ja, was habe ich alles schon erlebt und gesehen. Aber man lernt nie aus und jeden Tag kommt was Neues, was das alte übertrifft!

Wieder ist ein Tag vergangen und mittlerweile war ich kurz im Krankenhaus in der Röhre mit Kontrastmittel. Dann wurde ich zurück in die Anstalt gebracht. Ich habe keine Ahnung, was nun los ist, denn es spricht ja keiner mit mir! Ich erfahre immer auf den letzten Drücker wenn es zum Gericht oder Krankenhaus geht. Ich war heute in der Dusche, zog mich aus und ein anderer Gefangener war entsetzt, wie dünn ich geworden bin und richtig ausgezehrt! Er meinte, dass ich nun aufhören soll. Nein, ich mache weiter bis sich etwas ändert! Ich mag nicht mehr und ich ziehe das durch, alleine oder mit Unterstützung!

Ich habe mittlerweile öfters Fieber, mir ist ständig total kalt und ich bemerke das ich immer schlechter sehe. Die Schmerzen werden auch immer schlimmer! Ab und an zieht es mir die Beine weg und das alles vor den Augen der Beamten! Seit Monaten sind die Lymphknoten am Hals schmerzhaft angeschwollen und das geht gar nicht mehr weg! All das habe ich auch der Ärztin mitgeteilt und das es im Bauchraum brennt wie ein Feuer. Naja nun mal abwarten.

Heute, was für ein Zufall, ist mein Geld für den Einkauf aufgetaucht, nach fast einem ganzen Monat. Das aber auch nur weil [mein Anwalt] sich nach dem Verbleib des Geldes erkundigte. Was für ein Zufall, gell?

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Heute hat man mir meine Schmerztabletten verwehrt, weil man sagte, ich hätte sie schon am Morgen bekommen. Dazu muss ich sagen, dass die Schmerzen größer geworden sind und ich mittlerweile ständig Fieber habe und mir kalt ist! Ich habe also entschieden, da man mir auch die entsprechende Medikation verwehrt, werde ich alle weiteren Medikamente, die man mir täglich gibt, verweigern und ihnen Morgen rotzfrech sagen, dass sie sich diese in den Arsch schieben können!

Ich habe wirklich die Schnauze sowas von gestrichen voll, das kann man sich gar nicht vorstellen! Ich habe heute an meinem ganzen Körper festgestellt, dass alle Sehnen zum Vorschein kommen. Das liegt natürlich daran, dass mein Körper ausgezehrt ist. Ich habe ständig auch Kopfschmerzen und mir fehlt es an Konzentration.

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Eines wollte ich noch erzählen. Vor einigen Tagen bekam ich von einer gemeinsamen Freundin zwei Briefe und ich habe mich mit dem, was sie geschrieben hat, riesig gefreut! Denn sie schrieb mir, das sie ganz fest in Erinnerung hat was ich in meinem Vortrag erzählte, zum Thema einen Gefangenen schreiben und das jeden bewusst sein muss, dass das auch eine sehr große Verantwortung ist. Ich erzählte damals, warum und weshalb es so eine große Verantwortung ist und zählte verschiedene Punkte auf. Es ist sehr schön zu wissen, dass das was ich damals und bei verschiedenen Veranstaltungen sagte, bei vielen Menschen bis heute in den Köpfen hängen geblieben ist. Ich würde so gerne mehr tun, aber von hier aus ist es doch sehr schwierig.

Oft denke ich mir als ich noch in Deutschland war, habe ich genug getan? Hätte ich noch mehr machen können? Ich könnte Stunden lange erzählen mit dem, was ich erlebt habe, was aus den Menschen gemacht wird! Auf jeden Fall habe ich mich vor Tagen so sehr darüber gefreut was diese Person mir geschrieben hat! Und es zeigt mir, es war nichts umsonst!

Auch was ihr mir in den letzten Zeiten geschrieben habt, das mein Vortrag nachhaltig in vielen Köpfen hängen geblieben ist, gibt mir ein gutes Gefühl! Als ich damals bei Euch in Wien gewesen bin und erzählte, gab es oft einen Punkt von Erlebnis, wo ich hätte weinen können, weil gewisse Dinge an Ereignissen mich bis heute sehr beschäftigen und mitnehmen! Sie haben mich psychisch so kaputt gemacht!

Ich schrieb vor ca. einem Jahr oder etwas mehr, einer ebenfalls guten Freundin etwas, was ich vorher nie so offen erzählte. Und zwar wurde ich in der Rigaer Str. 94 sehr sehr herzlich aufgenommen und hatte ein total cooles Zimmer! Aber ich konnte oft Nachts nicht schlafen und lenkte mich mit Putzen im Haus ab. Ach war das schön, denn ALLE ließen mich tun und machen, und sie waren ALLE sowas von lieb zu mir und standen mir uneingeschränkt zur Seite! Aber mir ging es von der ganzen Psyche nicht gut und mich haben Geschehnisse verfolgt. Ich war mit vielem so überfordert, dass ich oft an einen Punkt gewesen bin, wo ich überlegte mich aus dem Fenster zu stürzen. Das, was mich davon abgehalten hat, war, dass ich nicht wollte das diese Menschen durch meine Handlungen in Schwierigkeiten kommen! Versteht ihr? Anfangs konnte ich keine 50 Meter vom Haus weg und auf Wunsch war immer jemand an meiner Seite, so lieb waren alle! Eine schöne Zeit in der 94, die ich sehr vermisse!

Als mich gemeinsame Freunde in Hamburg vom Knast abholten, war das ebenfalls ein Ereignis, was ich nie in meinem Leben vergessen werde! Diese beiden Menschen drückten mich erst mal und zeigten mir, was sie alles für mich im Kofferraum haben. Mensch haben meine Augen gestrahlt, alles war voll mit Leckereien an Süßigkeiten und nichts haben sie ausgelassen oder vergessen! Wir fuhren in die Stadt und begaben uns in ein Kaufhaus. Eine gemeinsame Freundin wollte mit mir gemeinsam eine Jacke aussuchen und kaufen, da ich keine hatte. Aber es war so schlimm, die vielen Menschen und alles drum herum dass ich mitten drinn hätte weinen können! Meine lieben Begleiter, die bei mir waren, verstanden sofort und ohne weitere Erklärung, dass es mir nicht gut ging. Wir gingen in ein Restaurant und ich bekam eine Speisekarte in die Hand gedrückt und ich war sooooo überfordert, das ich nicht wusste, was ich aus dieser ewig langen Liste an feinen Leckereien denn aussuchen sollte! Als wir an einen stillen Ort fuhren, damit ich von dem ganzen Spektakel abschalten konnte, war mein sehnlichster Wunsch seit Jahren, ein Döner. Wir begaben uns also alle drei in eine Dönerbude und als ich diesen Döner mit einer wahnsinnigen Freude und Genuss verspeiste und wir bezahlten, konnte ich nicht anders, drückte den Besitzer und sagte Freude strahlend zu ihm, das dies der aller beste Döner sei! Ach hat sich der gefreut und gestrahlt über beide Backen. Hatte er doch keine Ahnung über meine ganze Reaktion seines Essens! Das war auch so ein super tolles Ereignis was bleibend und tief in meinen Erinnerungen ist!

Dann die erste Nacht in Freiheit, meine zwei Lieben bezogen ein Zimmer und ich ein anderes ganz alleine für mich. Aber diese Nacht war dann doch furchtbar und ich fühlte mich plötzlich nicht wohl und hatte das Gefühl einer Angst, was ich selber zu diesem Zeitpunkt nicht verstanden habe. So habe ich meine beiden lieben Begleiter am nächsten Tag darum gebeten, ob wir nicht gemeinsam ein Zimmer nehmen könnten, da es mir letzte Nacht nicht gut ging. Ach sie waren sowas von lieb und das schöne an allem, ich musste kaum etwas erklären!

Es sind Ereignisse nach der Haft gewesen, die ich niemals im Leben vergessen werde! Oder zum Beispiel als ich mein Zimmer in der 94 zum ersten mal sah! Oh das war schön, denn ein gemeinsamer Freund von uns hatte das Zimmer sowas von schön für mich hergerichtet und auf einen kleinen Tisch stand als Begrüßung leckere Schokolade, eine Flasche Bier und eine Schachtel Zigaretten. Das war so lieb und ich muss in den letzten Tagen ständig an diese schönen Ereignisse denken, und nur bei der Vorstellung kommen mir immer wieder die Tränen! Nie werde ich das alles vergessen und wie sich alle um mich kümmerten!

Auch als ich meine jetzige Frau kennen lernte! Ach was hat sie alles mit mir durchgemacht! Aber sie hat mit irre viel Verständnis und ganz viel Liebe auf mich eingewirkt! Sie ließ mich meine Kreativität ausleben und hat mir immer zugehört wenn ich erzählte! Oft saß ich nachts auf dem Bettenrand, konnte vor lauter Alpträumen nicht mehr schlafen, weinte leise oder hatte Angst. Sie wachte auf und wirkte sofort auf mich ein, das alles gut ist und so weiter. Die Gute könnte so viel von mir erzählen und was dieses Schweinesystem mit mir machte! Ich bin sehr froh, dass ich sie habe und es ist nicht leicht einen Menschen zu finden, der mit so viel Liebe und Verständnis auf jemanden einwirkt und mit einem gemeinsam alles durch steht!

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Heute ist der 22 Tag meines HS und ich fühlte mich sehr schwach, da mein Kreislauf öfters zusammenbricht und ich dazu starke Schmerzen habe! Leider hat sich an meiner Lage immer noch nichts geändert und die Führungsspitze ist hier in Secondigliano ausgewechselt worden. Habe vor zwei Tagen erfahren, das eine Demo für mich gemacht wurde, und das machte mich sehr stolz! Nur leider wird kaum jemand davon Kenntnis genommen haben. Man muss die Menschen mit dem Vorschlaghammer treffen! Dann werden sie erst einem zuhören. […] Ich verspüre einen unglaublichen Hass, aber auch Traurigkeit über so viel Ignoranz.

Ich weiss einfach nicht mehr weiter! Ich liege den ganzen Tag auf dem Bett, habe nicht mit dem ich mich etwas ablenken kann, sondern vegetiere nur vor mich hin! In Poggioreale ist wieder etwas ganz schlimmes passiert und ein Gefangener ist tot. Nachzulesen in der Tageszeitung Il Mattino vom 18.02.2019. Darüber hier und jetzt zu schreiben würde den Rahmen sprengen und ich habe heute nicht die Kraft dafür. Mir geht es selbst immer schlechter und ich weiß ehrlich gesagt nicht wie lange das noch gut geht. Nicht umsonst schreibe ich dieses Art Tagebuch des HS!

Tag 23 und ich kann mich kaum richtig konzentrieren. Zudem pocht es in meinen Nieren. Sitze oder liege da wie ein Depp. Dennoch bewahre ich Haltung und bin weiterhin ruhig, höflich so wie man mich kennt, aber absolut zielstrebig und sehr wohl überzeugt von meinem Tun! Wenn nicht bald etwas passiert, dann überstehe ich das nicht! Meine Brust schmerzt und es ist, als wolle mein Herz heraus springen aus meinem Brustkorb.

Ich werde diese Zeilen so langsam zum Abschluss bringen. Zum Glück habe ich auch endlich ein „paar“ wenige Briefmarken und kann euch diese Zeilen schicken. Was ich aber unbedingt noch loswerden möchte ist, dass ich mich bei euch allen nochmals ganz herzlich bedanke für alles was ihr für mich/uns tut! Das alles ist für mich nicht selbstverständlich! Ich danke euch allen vielmals für ALLES! Bitte richtet auch allen anderen ganz liebe Grüße aus und ich bin in Gedanken bei euch!

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Herzliche Grüße an alle!

Ich sende eine dicke Umarmung zu euch nach Österreich und ich hoffe das doch noch alles gut wird und ich vielleicht wieder bei euch sein kann!

Liebe Grüße

Euer Andi

 

(Quelle: ABC Wien)

20. Februar 2019

Andreas grüsst alle, die ihn kennen und unterstützen und bedankt sich sehr für die gelebte Solidarität. Leider hat Andreas vom Anwalt erfahren, dass er um die 1000 Euro, für eine_n vom Gericht zugelassenen Videoanalytiker_in braucht, um ihn zu entlasten. Der Anwalt betonte mehrmals, dass dies wichtig für Andreas sei. Wir freuen uns daher über jede noch so kleine (natürlich auch große) Spende. Auch Andreas Frau, welche im Kontakt mit dem Anwalt steht, bedankt sich schonmal für jede Spende und alle die sich solidarisch zeigen.

Empfänger: Krebs IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26 BIC: BELADE BEXXX Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

19. Februar 2019

Beitrag von Radio Aktiv Berlin: Soli-Kundgebung für den hungerstreikenden Gefangenen Andreas Krebs vor der italienischen Botschaft in Berlin Am Montag, den 18. Februar demonstrierten knapp 30 Menschen ihre Solidarität mit dem Gefangenen Andreas Krebs, der seit dem 2. Februar 2019 in einem Knast in Napoli in Italien für seine dringnd benötigte medizinische Versorgung in den Hungerstreik getreten ist. Andreas ist sehr schwer krank und einiges deutet darauf hin, dass es auch deutsche Staatsschutzinteressen sein könnten, die die italienischen Behörden dazu bringt, den Gefangenen in einer lebensbedrohlichen Lage unversorgt zu lassen. Die Lebensgefährtin von Andreas berichtete vor der Botschaft, ebenso wie die Soligruppe der Gefangenengewerkschaft (GG/BO). Radio Aktiv Berlin berichtet in O-Tönen:

Schreibt Andres – Post ist eine Freude für Gefangene und zeigt den Knastbehörden, dass sie unter Beobachtung stehen. Somit ist jede Karte und jeder Brief zugleich ein Schutz für Gefangene.

Krebs Andreas

st. 13 Sez.6

Via Roma Verso Scampia 250

Mediterraneo

CAP 80144 (NA)

-ITALY-